Haustiere

Angriff oder Spielaufforderung - wie erkenne ich das?

» User #44 schrieb:

Hallo, zusammen,

seitdem mein Hund gebissen wurde, bin ich sehr vorsichtig, wenn sich uns unbekannte Hunde ohne Leine nähern und scheuche sie ggf. weg, wenn ich mir nicht sicher bin, in welcher Absicht sie sich nähern.
Nun haben sich schon dreimal verschiedene Hunde in derselben Körperhaltung genähert, von der ich nicht weiß, wie ich sie deuten soll (passiert ist in allen drei Fällen nichts)
Die jeweiligen Hunde rannten in direkter Linie und mit Blickkontakt zu meinem Hund auf uns zu, Kopf gesenkt, Rute gerade nach hinten, so daß Kopf, Rücken und Rute eine gerade Linie bildeten, Haltung ganz leicht geduckt.
Für mich sah diese Art der Annäherung nach Angriff aus, mein Hund seinerseits reagierte angst-aggressiv.
Einer der Hunde war alleine unterwegs, bei den anderen versicherten mir die ziemlich weit entfernten Halter anschließend, ihr Hund habe nur spielen wollen.
Kennt sich jemand gut genug mit der Körpersprache von Hunden aus, um mir mal weiterzuhelfen, was dieses Verhalten zu bedeuten hat und wie ich an der Körperhaltung eines sich nähernden Hundes seine Absichten etwas besser erkennen kann?

Viele Grüsse

Pitú


» User #934 schrieb:

Ich gebe dir recht, und würde die beschriebene Haltung eher nicht als Spielaufforderung deuten.
Selbst wenn es von dem Hund als solche gemeint war, war sie bestimmt für deinen, bereits gebissenen, hund nich ersichtlich!
Spielauffordeung ist Kopf unten, hintern in die Höhe und die rute zeigt in den meisten fällen auchnach oben. meistens hüpfen die hunde in der Stellung auch vor dem anderen Hund hin und her.
Ich glaube das ist die aufforderung auf die auch dein hund nicht aggressiv oder ängstlich reagiert.
Auf aussagen anderer hundebesitzer würde ich nichts geben wenn die körpersprache des anderen hundes so mißverständlich ist.
Lg. alisha


» User #80 schrieb:

Hallo,
sicher ist gerade die Frage nach der "eindeutigen" Körpersprache von Hunden, eine der schwersten!
Wenn man sich nur mal die verschieden Rasseeigenschaften anguckt und die damit verbundenen Unterschiede, wird es schon schwierig zu sagen, was der jeweilige Hund gerade denkt oder möchte. Ein Bullterrier ist beispielsweise durch sein Ramsgesicht schwer bis gar nicht zu deuten. Boxer und andere Knautschgesichter sehen für den anderen Hund immer so faltig aus, als würden sie knurren! Viele Labrabdore, und andere Apportierhunde aus dem Jagdhundbereich, zeigen dieses Spielverhalten verbunden mit dem "Schock - Getue"! Sie rumpeln meistens aber auch dementsprechend wüst innerhalb des Spieles.
Ich verlasse mich auch nie, wie Alisha schon sagte, auf die Standardaussagen: Der tut nichts - der will nur Spielen! Zu schnell kann dann folgen: Das hat er ja noch nie gemacht!
Meistens gehe ich da auf den Instinkt meiner Hunde ein, so dass sie selbste entscheiden, ob sie den jeweiligen Hund gerne als Spielgefährten hätten oder eben nicht.
Ich muß dazu sagen, ich brauche aber auch keinen hund, der mit jedem spielt. Wir haben soviele Hunde in der Bekanntschaft und im Verein, bei denen ich weiß, dass sie sich verstehen, dass es auf die wenigen, die man draußen trifft, nicht ankommt.
Gruß Julia & Meute


» User #985 schrieb:

Also grundsätzlich würde ich ein solches Verhalten wohl auch eher skeptisch beobachten, allerdings habe ich schon ähnliche Erfahrungen mit einem Berner Sennenhund gemacht, der wirklich absolut freundlich und verspielt ist. Der schießt auch in der beschriebenen Haltung auf andere Hunde zu und erst kurz vor dem "Ziel" haut er die Bremse rein, richtet sich auf und schaut sein gegenüber freundlich an.
Ich habe den rasanten Sprint auf meinen Hund zu bei der ersten Begegnung - wie gesagt - recht zwiegespalten beobachtet, mich jedoch rausgehalten, da ich die Situation nicht evtl. durch falsches Eingreifen/Reagieren verschärfen wollte und bei diesem speziellen Hund macht es mir nun auch nichts mehr aus. Allerdings kann ich deine Unsicherheit gut nachvollziehen und würde es bei einem fremden Hund wohl erst auch wieder so empfinden.
Grundsätzlich kann man hier - glaube ich - gar keinen generellen Rat geben. Eigentlich wäre es m.E. Sache der Hundeführer, ihren Hunden diese Losstürmen auf andere nicht zu gestatten. Allerdings ... unvorhergesehene Situationen lassen sich halt nicht immer zu 100% vermeiden.


» User #991 schrieb:

Hallo Pitu,

hmm, heikle Sache. Vorallem weil ihr beide momentan verunsichert seid.
Evtl kann euch das Video von Ruid Truugas Calming Signalsweiter helfen.
Im Regelfall laufen gur sozialisierte Hunde niemals direkt aufeinander zu sondern immer im Bogen und einer von beiden fängt an zu beschwichtigtigen (durch Maul lecken oder Kopf beiseite drehen).

Ricky legt sich z.B. bei fast jedem Hund vorab flach auf den Boden, als wenn er erst einmal die Lage peilen will. Dann schleicht er katzenartig auf den anderen Hund mit gesenktem Kopf aber Blickkontakt haltend zu. Dies ist bei ihm ein reines Zeichen von Unsicherheit, da er immer wieder kurz inne hält und auf die Reaktion des anderen wartet.
Hunde, die auf direktem Wege auf ihn zugeschossen kommen, werden hemmungslos in sekundenschnelle umgeworfen unter dem Motto: so nicht Freundchen.

Vielleicht hast du jemanden im Freundes oder Bekanntenkreis der das Video hat.
Gehe ggf. in der nächsten zeit fremden Hunden ein wenig aus dem Weg. Bei Ricky hat es ca. 4-6 Wochen gedauert bis er sich nach Zwischenfällen mit anderen Hunden wieder halbwegs gefangen hatte und gemerkt hat dass ihm nicht alle ans Leder wollen.

Gruß, Michaela


» User #44 schrieb:

Vielen Dank für Eure Antworten.

MichaelaD hat folgendes geschrieben::
Gehe ggf. in der nächsten zeit fremden Hunden ein wenig aus dem Weg.


Ist in unserer hundereichen Stadt leider ziemlich schwierig icon_wink.gif , insbesondere, wenn die fremden Hunde auf einen zugestürmt kommen.

Zwurbel hat folgendes geschrieben::
Ich habe den rasanten Sprint auf meinen Hund zu bei der ersten Begegnung - wie gesagt - recht zwiegespalten beobachtet, mich jedoch rausgehalten, da ich die Situation nicht evtl. durch falsches Eingreifen/Reagieren verschärfen wollte


Muss leider zugeben, daß ich die Nerven nicht habe, mich rauszuhalten. Noch erscheint immer mal wieder das Bild des Dobermanns, der seine Zähne in den Bauch meines auf dem Rücken liegenden 7-monatigen Rauhhaardackels geschlagen hat und das ist mittlerweile 5 Monate her.

Auf Anraten unseres Hundetrainers halte ich seit dem Beißunfall meinen Hund hinter mir oder nehme ihn in die Schutzhaltung, damit er sich beruhigt und versuche meinerseits, den nahenden Hund zu stoppen oder zu verscheuchen. Leider gelingt es mir oft nicht, meine eigene Angst gut genug in den Griff zu kriegen, um die Situation zu entschärfen. Mit calming signals bin ich bisher auch noch nicht sehr weit gekommen, weil der sich nähernde Hund meist gar nicht auf mich achtet, sondern meinen Hund im Blick hat, wie auch umgekehrt.

Es ist jedenfalls ganz tröstlich, zu wissen, daß auch andere Hundebesitzer nicht jeden Hund an ihren Hund heranlassen. Langsam kommt man sich ja schon blöd vor, weil einem pro Tag rund drei Hundehalter erzählen: "Lassen Sie sie doch, die machen das schon untereinander!"

Viele Grüsse

Pitú


» User #985 schrieb:

Hi Pitu,

normalerweise seh ich das auch eher nach dem Motto, dass die Hunde das unter sich regeln können, bis zu einem gewissen Grad zumindest. Bei dem extremen Größenunterschied, wie er bei deinem Erlebnis der Fall war und da dieser Dobermann scheinbar keine Beißhemmung hatte, obwohl dein Dackel auf dem Rücken lag (was m.E. unnatürlich ist), würde ich aber wohl auch ängstlicher mit vergleichbaren Situationen umgehen.
Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass ihr beide wieder ein ungezwungeneres Verhältnis zu Hundebegegnungen bekommen werdet und künftigen von solchen Zwischenfällen verschont bleibt!

Gruß + schönen Abend,
Zwurbel


» User #991 schrieb:

Pitu,

das berliner Problem kenne ich, ich wohne ja auch in Berlin.

Zitat:
Muss leider zugeben, daß ich die Nerven nicht habe, mich rauszuhalten.


generell raushalten mach ich auch nicht. Ich denke ab einen bestimmten Punkt muss man eingreifen.

In welchen Ecke von Berlin wohnst du denn?

Gruß, Michaela


» User #44 schrieb:

MichaelaD hat folgendes geschrieben::
In welchen Ecke von Berlin wohnst du denn?


Ich wohne in Gatow und die dort ansässigen Hunde sind auch o.k., allerdings arbeite ich in Charlottenburg im Kiez und da ich meinen Hund mit zur Arbeit nehme, gehen wir natürlich auch dort relativ viel spazieren. Die Beißerei allerdings ist in Gatow passiert, weil am Wochenende eben auch viele Leute aus der Innenstadt ins Grüne fahren, um ihre Hunde dann im Landschaftsschutzgebiet, in dem genereller Leinenzwang besteht, sich austoben zu lassen. Der Dobermann ist seinem Herrn abgehauen und hat Rehe gejagt, jedoch keines erwischt und kam unseligerweise auf dem Rückweg zu seinem Herrn bei uns vorbei und griff sich als Ersatzbeute meinen Hund.

Habe gestern nun übrigens auch in der Hundeschule mal den Trainer wegen der von mir beschriebenen Körperhaltung gefragt, hier die Antwort:

1. Diese Körperhaltung drückt eine jagdtriebliche Anspannung des Hundes aus.

2. Hunde trainieren im Spiel Verhaltensweisen, die sie im Ernstfall auch anwenden, wie das Jagen von Beute, und sie testen im Spiel auch die Stärke des anderen Hundes.

3. Ein Hund, der Beuteverhalten einem anderen Hund ggü. zeigt, sei es auch nur spielerisch gemeint, hat sehr wahrscheinlich nicht optimal das Spielen gelernt, sonst würde er sich so nähern, wie von Alisha beschrieben.

4. Da sich anhand der Körperhaltung gar nicht unterscheiden lässt, ob der Hund es ernst meint oder spielerisch sein Beuteverhalten trainiert, ist das Risiko für den eigenen Hund auf jeden Fall zu vermeiden und der andere Hund fernzuhalten. Zudem könnte es sein, daß ein Hund, der sich in jagdtrieblicher Anspannung befindet, unvermittelt doch zubeißt. (Wie auch schon von Merlin beschrieben, erst "Er will nur spielen" und dann "Das hat er ja noch nie gemacht")

Viele Grüsse

Pitú


» User #991 schrieb:

Pitu, von den "Sonntagsspaziergängern" kann ich auch so mein Lied singen. Kenne ich nämlich vom Grenzstreifen im Süden von Berlin.

Zitat:
3. Ein Hund, der Beuteverhalten einem anderen Hund ggü. zeigt, sei es auch nur spielerisch gemeint, hat sehr wahrscheinlich nicht optimal das Spielen gelernt, sonst würde er sich so nähern


interessante These, denn Ricky hat das Spielen sowohl mit Spielzeug als auch mit Hunden wirklich nie gelernt.
Sein Beutetrieb war stark entwickelt, zum Glück jagdt er kein Wild. Wenn jedoch ein Hund vor im wegrennt, flizt er hinterher. Dies ist jedoch mittlerweile gut kontrollierbar und er läßt sich abrufen.

Zitat:
4. Da sich anhand der Körperhaltung gar nicht unterscheiden lässt, ob der Hund es ernst meint oder spielerisch sein Beuteverhalten trainiert, ist das Risiko für den eigenen Hund auf jeden Fall zu vermeiden und der andere Hund fernzuhalten.


Hat dir dein Trainer auch gesagt wie?

Gruß, Michaela


Weiterlesen: Angriff oder Spielaufforderung - wie erkenne ich das?

Seite 1, 2, 3