Haustiere

Schnauzer-/Dackelmix knurrt und bellt großen Sohn an

» User #550 schrieb:

Hallo,

seit 3 Wochen habe ich einen 8 Jahre alten Mischling (Schnauzer/Dackel) von jemandem übernommen, der aus Berlin wegzieht und den Hund nicht in die andere stadt mitnehmen kann, weil der neue Vermieter das nicht gestattet. Ich weiß nicht, ob es wirklich stimmt, denn ich würde mir die Wohnung so suchen, daß ich wegen Umzug nicht meinen Hund abgeben muß. Gemerkt habe ich, daß sich der Besitzer sehr schweren Herzens von Arco getrennt hat. Es könnte sein, daß ähnliche Probleme, wie ich sie jetzt habe, zu der Entscheidung geführt haben sich von Arco zu trennen:

Zunächst einmal hat mich Arco schon nach wenigen Stunden akzeptiert und sich immer in meiner Nähe aufgehalten. Bereits nach dem 1. Probe-Wochenende hörte er auf mich und fühlte sich auch zu mir hingezogen, als sein Herrchen und Frauchen ihn erst mal wieder abholten. Die waren völlig verblüfft, daß Arco (nach freudiger Begrüßung zwar) sich sofort zwischen meine Füße setzte und sich fest an mich schmiegte zum Streicheln-Lassen.

Allein mit mir ging alles wunderbar, sowohl an diesem Probe-Wochenende als auch seit dem er nun ständig bei uns ist. Mein Kleiner Sohn (4 1/2 Jahre) spielt sehr gerne mit Arco und wenn der Hund genug hat, knurrt er ein wenig, um ihm zu zeigen, daß er jetzt seine Ruhe will. Meinem Großen (18 Jahre) gegenüber verhält er sich jedoch völlig wütend knurrend und verbellt ihn regelrecht. Meistens leider mit erfolg, aber da er auch schon versucht hat zuzuschnappen, verstehe ich, daß der Große Respekt bekommen hat. Ich habe dann zunächst mit einer zeitung gedroht, und auch ein bißche gezeckt. Ich merkte allerdings daß Arco sich dann weiterknurrend, geduckt unter dem Tisch oder stuhl verkroch. Es tat mir furchtbar Leid, ihn so mit Gewalt eingeschüchtert zu haben. Dann versuchte ich es mit Beruhigen, hielt ihn fest und umfaßte auch seinen Körper, wenn er so anfing zu knurren und bellen. Ich merkte, wenn ich ihn dabei wegdrehte, wurde er etwas ruhiger. Aber ich wagte kaum ihn loszulassen, weil ich nicht wußte, was passiert. Das Gleiche macht Arco mit dem Freund meines Sohnes oder wenn ich draußen auf einer Bank sitze und sich jemand dazugesellen will oder auch nur vorbeigeht - Als ob er sein Revier, bzw. mich verteidigen will.

Dann wieder gibt es Tageszeiten, da läuft alles ruhig, er läßt sich sogar vom Großen, dem F meiner freundin streicheln, winselt nach mehr Streicheleinheiten oder will sie fast "besteigen". Während unserer Gespräche liegt er dann brav unter dem Tisch an meinen Füßen oder auch an denen der Besucher. Wie aus heiterem Himmel oder oft wenn sich einer von ihnen nur kurz bewegt oder aufsteht, fängt Arco wieder an wütend zu bellen und zu knurren, die Zähne zu zeigen und läßt sich kaum besänftigen. Ich kann mich nicht mit Gelassenheit darauf einstellen, daß nach so einer Streichel- oder Ruhe- bzw. scheinbarer Harmoniephase wirklich nichts passiert. Das macht mich sehr unruhig. Ich versuche beruhigend zu reagieren, aber ich merke, Arco rastet manchmal fast aus (wie erschrocken oder aufgeschrteckt. Sein Knurren und Bellen hört sich an, als würde er den anderen fast zerreißen wollen. Andererseits ist er ein ganz Lieber und Anhänglicher, versteht viel und lernt täglich hinzu. Draußen läuft er jetzt auch ohne Leine mit mir und hört, wenn ich ihn rufe.

Der Große und sein freund sind auch schon einige Male mit ihm rausgegangen und wenn ich nicht zu Hause bin, dann gibt es hier überhaupt keine Rangprobleme, nichts! Wenn ich komme, werde ich stürmisch begrüßt und dann kann es sein, daß das Knurren und Bellen schon wieder unvermittelt losgeht, wenn der große sich nur aus seinem Zimmer bewegt und ins Bad oder die Küche will. /Mit dem Kleinen passiert das nie, hängt aber vielleicht auch damit zusammen, daß mein Kleiner meistens nachts bei mir im Wohnzimmer schläft, wo auch Arco schläft und sich viel zusammen mit uns aufhält.

Fazit: Ich liebe den hund, möchte ihn sehr gerne behalten und was Richtiges machen, damit sich Arco leichter an Besucher und meinen Sohn gewöhnt. Mit meinem Freund z. B. passiert es ähnlich, wie mit meinem großen Sohn. der kommt zur zeit nicht bzw. habe ich versucht, Arco in einen anderen Raum zu sperren. Das geht schon überhaupt nicht! Er zerkratzt winselnd und bellend die Tür, will heraus und macht danach wieder das gleiche Theater.

Nachdem ich hier und in Büchern einiges gelesen habe, versuche ich es nun mit Leckerlis, wenn Arco sich ruhig gegenüber diesen bestimmten Personen verhält und wenn er sich streicheln läßt. Die nimmt er natürlich gerne, aber bis jetzt habe ich das ziel noch nicht erreicht, denn noch muß ich jeden Tag extrem aufpassen, daß ich Arco immer in Beobachtung habe und ihn ggf. festhalten kann, wenn es wieder losgeht. Mein Großer ist inzwischen sogar übervorsichtig, ruft mich per Handy aus seinem Zimmer an, ob ich jetzt den hund festhalte, weil er aufs Klo muß oder raus will.

Mein Gedanke, war ein Hundepsychologe - aber ich weiß nicht, ob ich das finanziell hinbekomme. Jedenfalls möchte ich lernen, richtig auf Arco einzugehen und die anderen auch zum richtigen Verhalten zu bringen, damit sich Arcos Verhalten verändern kann. Ich hänge einfach von 1. Tag an ihm!
Fühlt sich hier vielleicht jemand in der Lage, mir gute Tipps zu geben?

Mit dem ehemaligen Besitzer habe ich auch schon gesprochen und ich merke schon, daß seine Probleme ähnlich waren, besonders, seit er seine neue freundin hat, deren Tochter und Sohn öfter zu Besuch kommen. Aber er als mann hat eine ganz andere straffere Stimme als ich. Bei ihm war es aber teilweise wohl auch so, daß Arco dann übermäßig an der freundin hing und sie verteidigte, sogar vor ihm als Besitzer! Allerdings hatte der besitzer keine Angst vor Arco und wies ihn ensprechend zurecht oder drohte mit einer Zeitung. Dann soll wieder Ruhe gewesen sein - oder Arco wurde auf den Flur ausgesperrt, wenn er im Schlafzimmer störte. (Ich habe übrigens gar keinen Flur, lach! und eigentlich auch keinen freien Raum, höchstens das Bad, was ja zeitweise auch mal benutzt werden muß.)

Am ruhigsten ist Arco, wenn er mich ganz alleine für sich hat oder wenn höchstens noch mein Kleiner da ist. Draußen (außer, wenn wir länger auf ner Bank verweilen) macht er anderen gegenüber auch keine Probleme. Mit Hunden verträgt er sich meistens gut und ist neugierig, schnuppert und schwänzelt um sie herum.

Noch was ganz schnell, ich selber bin mit Hunden großgeworden (aber Berner-Sennenhund und neufundländer, also völlig andere Charaktere). Seit 2 jahren bin ich sehr krank, Bandscheibenvorfall und Depression ... konnte nur wenig rausgehen. Seit ich Arco habe, geht es mir viel besser und mein Aktionsradius hat sich schlagartig wieder etwas vergrößert. Also darum möchte ich unbedingt was dafür tun, es mit Arco zu schaffen! Er ist eben auch sehr Therapie für mich. Darum liegt mir das Thema so am Herzen. Und schließlich möchte ich aber auch meinen Großen nicht gefährden, denn meine Kinder sind mir mindestens genauso wichtig.

Sorry, daß ich so lang geschrieben habe, aber nur so konnte ich alles gerecht darstellen - hoffe ich zumindest.

Herzliche Grüße und jetzt schon Danke für alle Hinweise Jutta aus Berlin


» User #44 schrieb:

Hallo, Jutta,

nach allem, was ich in fünf Monaten Hundeschule gelernt habe, würde ich das, was Du schreibst, so bewerten:
Dein Rüde sieht Dich als potentielle Partnerin, Deinen kleinen Sohn als Welpen und Deinen großen Sohn (wie auch dessen Freunde und Deinen Freund) als männliche Konkurrenten. Er versucht, in der Rangordnung nach oben zu kommen, was ihm Deiner Beschreibung nach auch gelingt, weil Dein Sohn bereits Angst vor ihm hat.
Ich würde Dir dringend den Besuch einer Hundeschule empfehlen. Abgesehen von dem Nutzen für die Mensch-Hund-Beziehung kann ich nur sagen, daß es mir einen Heidenspaß macht, mit meinem Hund zu arbeiten, insbesondere weil die Erfolge spürbar sind.
In welchem Bezirk in Berlin wohnst Du denn?

Herzliche Grüße

Pitu


» User #550 schrieb:

Hallo Pitu,

wir wohnen in Berlin-Friedrichshain. Na dann werde ich mich mal umhören, wo eine entsprechende Hundeschule ist. Hoffentlich muß ich dort selber nicht zu viel Fitness mitbringen, denn gesundheitlich habe ich ja so meine Probleme.

Auf jeden Fall kann ich mir vorstellen, daß Du mit Deiner Einschätzung recht hast, was die Rangordnung betrifft, die Arco herzustellen versucht. Trotzdem hätte ich gerne gewußt, was ich erst mal als Sofortmaßnahmen versuchen könnte, damit das hier nicht weiter eskaliert. Wir gehen z. B. jetzt ab und an mal ins Zimmer von meinem Großen mit Arco und schauen da ein Video. Das klappt ganz gut und Arco sitzt ruhig bei mir bzw. läßt sich auch ohne groß zu knurren oder zu bellen streicheln vom Großen. Sowie er allerdings vor mir aufsteht und richtig groß auf Arco wirkt, fängt er wieder an zu bellen. Es geht aber wieder vorbei, sobald wir aus dem Zimmer gemeinsam raus sind und ich beschwichtigend sowie ablenkend und autoritär einwirkte.

Herzliche Grüße von Jutta


» User #593 schrieb:

bitte vergiss das mit der dominanz! es ist überholt.

wie du selbst schreibst, scheint arco verunsichert zu sein bei fremden und bei deinem großen sohn. damit hast du das problem schon recht gut erkannt.

dh. arco braucht positive verknüpfungen und erfahrungen mit diesen personen/situationen. hunde nehmen oft viel mehr wahr als wir, insofern ist es wohl für dich schwer erkennbar weshalb er plötzlich knurrt - es scheint aber eine tendenz zu geben, dass er es fürchtet, wenn dein sohn aufsteht (sehr groß und bedrohlich auf ihn wirkt).

dass er knurrt ist prinzipiell nicht verwunderlich, er hat diese situationen bisher ja immer mit einschüchternden maßnahmen beantwortet bekommen und ist dadurch immer unsicherer geworden. drohen auf jeden fall vermeiden! (egal ob mit zeitung oder stimme) - hätte sein vorbesitzer mit seinen drohmaßnahmen recht gehabt, wäre der hund vermutlich noch bei ihm... er hat wohl gemerkt, dass es dadurch nicht besser wird.

in den meisten hundeschulen hängen sie ebenfalls noch immer diesen dominanzgeschichten nach und werden dir entsprechende tipps geben. vielleicht schaffst du es sogar den hund so einzuschüchtern, dass er sich dann nicht mehr knurren traut, aber fraglich ob das das ziel ist...

zu deinem umarmen bei dem er weiterknurrt:
für den hund ist dieser körperkontakt (außer bei außnahmefällen) viel zu nahe und intensiv. beruhigen kannst du ihn dadurch also nicht. dein instinktives wegdrehen war ein calming signal. (mehr dazu wenn du mir eine private Nachricht sendest) und hat den hund dadurch beruhigt. dein sohn, gäste und du könnt euch diese signale zu nutzen machen - sie demonstrieren dem hund: es ist alles in ordnung, niemand will dir böses, wir sind friedlich und gut gestimmt.

so ist dies schwer zu sagen, aber wenn es geht, lass deinen sohn den hund aus der hand füttern (außer arco knurrt dabei oder schnappt nach futter), in diesem fall: vermeide es!

wie reagiert denn arco wenn dein großer sohn im leckerlis gibt?

arco hat eine sehr starke bindung zu dir (und eventl. deinem kleinen sohn) aufgebaut. vermutlich ist dies zwar angenehm für dich (wer freut sich nicht, wenn er soviel beachtung und liebe bekommt icon_wink.gif ), aber der hund wird damit auch panisch sobald du nicht mehr da bist. deshalb leg pausen ein, wo du ihn nicht beachtest und beginne das alleinsein zu üben (du ins nachbarzimmer, tür zu und wieder auf innerhalb einer sekunde - bevor arco noch auf die idee kommt zu kratzen, eventuell leckerli in das zimmer schmeissen in dem arco ganz kurz bleiben soll, damit es ihm nicht so bewusst ist, wenn ihn das nicht mehr stört, dann erhöhst du auf zwei sekunden, usw. gaaanz langsam und eventuell gibt es rückfälle, dann wieder einige zeitschritte retour).

deinen jungen sohn anknurren, wenn er genug hat...
das kann verdammt schief gehen. lass es gar nicht so weit kommen. lass deinen sohn kürzer mit ihm spielen/ihn streicheln, achte auf calming signals von arco.

biete arco einen ruheplatz wo er sich absolut sicher fühlt. in einer ecke, wo niemand vorbei muss, wo niemand ihn anredet, niemand ihn streichelt. mach ihm diesen platz mit leckerli schmackhaft. wenn er dort ist, dann hat er eine auszeit.


» User #243 schrieb:

Ich kann Dir noch ein gutes Buch zu calming signals empfehlen:

Turid Rugaas, "Calming signals - Beschwichtigungssignale beim Hund"


» User #44 schrieb:

mottenschwein hat folgendes geschrieben::
bitte vergiss das mit der dominanz! es ist überholt...

... in den meisten hundeschulen hängen sie ebenfalls noch immer diesen dominanzgeschichten nach und werden dir entsprechende tipps geben.


Was genau ist denn Deiner Meinung nach daran überholt und was meinst Du mit "Dominanzgeschichten"?

Ich zumindest habe in der "Spielgruppe", die mein Hund regelmäßig besucht (immer mit denselben Hunden), festgestellt, daß sich dort einige Hunde sehr deutlich dominanter verhalten als andere und auf die Weise innerhalb des "Spielrudels" eine erkennbare Rangordnung entstanden ist.
Wenn also Hunde untereinander die Rangordnung durch mehr oder weniger dominantes Verhalten festlegen, warum sollte es dann überholt sein, das auch im Familienrudel so zu praktizieren?


» User #593 schrieb:

Überholt:
1. dass Unterordnung mit Dominanz in irgendeinem Zusammenhang stünde.
2. dass man seinen Hund auf den Rücken drehen soll, wenn er nicht folgt.
3. die meist nicht genauer definierte Aussage: Zeige ihm wer der Chef ist.
4. den Hund am Genick zu schütteln mit dem Kommentar, das würden Hundeeltern mit ihren Welpen tun.
5. Probleme im Zusammenleben Mensch-Hund auf dominantes Verhalten zurückzuführen.

Ich finde es einfach sehr bedenklich, dass so viele Probleme im Zusammenleben mit Dominanzverhalten erklärt werden. Als ob der Hund jeden Moment nutzen würde um uns als rangniedriger einzustufen.

1. lange wurde von Wolfsforschern behauptet es gäbe im Rudel dauernd Kämpfe um die ranghöchste Stelle zu bekommen und den Alpha abzulösen, der zu alt und zu schwach wurde. Leider fanden diese Beobachtungen an Wölfen statt, die in Gefangenschaft gehalten wurden, durch den Menschen nach belieben zusammengewürfelt und mit zuwenig Individualdistanz. Bei freilebenden Wolfsrudeln handelt es sich um Familienverbände. Es lebt einfach ein Elternpaar mit seinen Jungen. Wenn die Jungen erwachsen werden leben sie entweder friedlich mit ihren Eltern weiter oder sie gründen ein eigenes Rudel. (Die Studien wurden durchgeführt von: David Mech)

2. Steht immer noch nicht fest, wie es dazu kam, dass aus wildlebenden Wölfen domestizierte Haushunde wurden. Eine neuere Theorie nimmt an, dass einige Wölfe, die eine geringere Fluchtdistanz gegenüber Menschen hatten, sich bei den Müllkippen labten, die durch das sesshaft werden der Menschen entstanden waren, während die "normalen" Wölfe weiterhin wild blieben. Demnach hätte sich durch natürliche Selektion bereits ein zahmere Wolf entwickelt bevor der Mensch noch anfing einige davon weiter zu Haushunden zu machen. Demnach können wir Wolfsverhalten auch nicht zu 100% auf den Hund übertragen (obwohl es natürlich viele Gemeinsamkeiten gibt und sich die Beschäftigung mit Wolfsverhalten durchaus lohnt).

Für absolut kein Verhaltensproblem ist als Erklärung je ein Dominanzverhalten nötig. Wenn wir die Körpersprache beobachten, über Kontroll-Komplex-Aggression (James O`Heare), Calming Signals (Turid Rugaas), darüber was Hunde stresst und wie Hunde lernen bescheid wissen, wenn wir beginnen andere Erklärungen für ein bestimmtes Verhalten zuzulassen und nicht alles dauernd der Dominanz zuschreiben, so wird es uns möglich den Hund als Individuum zu behandeln und nicht pauschal völlig verschieden entstandene Verhaltensprobleme durch ein und dieselben Tipps zu lösen. Würde denn je jemand bei einer Katze auf die Idee kommen eine Katze mit Futterneid, eine andere die vom Tisch stiehlt, eine Dritte, die neben das Katzenklo pinkelt und eine Vierte, die Menschen zerkratzt, wenn sie sie hochheben mit den gleichen Tipps zu behandeln?

Einige oft der Dominanz zugeschriebene Probleme/Lösungen:
- Hund geht vor mir aus der Tür = Trainingssache, eigentlich nichts anderes als Steh und Bleib.
- Hund knurrt
wird irrsinnig oft mit Dominanz erklärt, in den allermeisten Fällen ist jedoch Angst oder Unsicherheit die Ursache! Gerade dann zu strafen und "dominant" aufzutreten...
In manchen Fällen kann der Hund auch einfach in einem gewissen Umfeld nicht leben - ein schlecht sozialisierter Hund, der in der Einöde aufgewachsen ist, wird in der Großstadt unter Dauerstress stehen. Wie wir von uns selbst wissen: entweder der Stress wird geschluckt, man bekommt Magenschmerzen, ist dauernd unruhig, unkonzentriert etc. Manche reagieren auch mit leichterer Reizbarkeit und neigen dann zu Überreaktionen. In so einem Fall kann man den Hund vielleicht durch Strafmaßnahmen so einschüchtern, dass das Zusammenleben für uns doch einigermaßen erträglich ist - ob das aber wünschenswert ist und ob es hier (wir gehen von einem Extremfall aus, natürlich kann man auch eine Therapie mit positiver Motivation machen, aber wir gehen ja hier von einem Hund aus den ALLES stresst - andere Hunde, Menschenansammlungen, Autos, laute Geräusche, etc.) nicht besser wäre den Hund auf einem ruhigeren Platz in ländlicher Umgebung unterzubringen...
- Hunde die ihr Futter verteidigen...
...haben Mensch-Futter in Kombination als Negativum verknüpft - entweder es würde ihnen oft Futter weggenommen oder sie wurden bestraft während sie fraßen (zb. draußen leckeren Abfall gefunden oder etwas vom Esstisch geklaut und dafür bestraft worden). Den Menschen in der Nähe ihres Futters wieder als Positives zu verknüpfen wäre hier der Lösungsansatz.
etc.

Das Verhalten in der Spielgruppe:
Klar sind einige Hunde vom Temperament her wilder und andere zurückhaltender. Einige toben und andere sind vorsichtig. Einge lassen sich viel gefallen und andere wehren sich gleich - aber was hat das alles mit "dominant sein" zu tun? Ad Rangordnung im Rudel festlegen siehe Mech.

mfg
mottenschwein


» User #44 schrieb:

Der Begriff "Dominanz" ist ja nicht unbedingt negativ zu bewerten, wenn man ihn, wie in der Tierverhaltensforschung häufig üblich, mit "Überlegenheit eines Tieres ggü. Artgenossen" übersetzt. Insofern hat meiner Meinung nach Unterordnung schon etwas damit zu tun, denn ein Hund wird sich nur dann unterordnen, wenn er die Überlegenheit des anderen respektiert. Und genau das war es, was ich in der Spielgruppe beobachtet habe: Daß einzelne Hunde (unabhängig von ihrer Größe übrigens) anderen gegenüber offensichtlich eine gewisse Autorität besitzen und diese anderen sich ihnen unterordnen.
Ganz sicher darf Dominanz nicht mit Gewaltanwendung verwechselt werden, ebensowenig wie Unterordnung mit Unterdrückung.

Daß die Methode des "Nackenschüttelns" sich trotz schon vor x Jahren veröffentlichter Studienergebnisse sogar in Hundeschulen noch hält, finde ich ebenfalls mehr als bedenklich. Leider darf hierzulande jeder, der möchte, eine Hundeschule eröffnen und ggf. mit noch schlimmeren Methoden oder Starkzwangmitteln Hunde versauen, die anschließend unangeleint durch die Stadt laufen und zur Gefahr für andere werden. Hier sollte unbedingt ein Qualifikationsnachweis gefordert werden.

Ich stimme auch zu, daß bestimmte Verhaltensweisen nicht stereotyp mit Dominanzproblemen zu erklären sind, sondern nur in Abhängigkeit von der Situation. Wenn mein Hund andere Hunde aus einer Angst-Aggression heraus anknurrt oder anbellt, ist es natürlich sinnvoller, ihn in die Schutzhaltung zu nehmen und zu beruhigen, als ihn dafür auch noch unterzuordnen.

Dominanzprobleme werden ohnehin nicht vom Hund geschaffen, sondern vom Menschen, der es häufig an Konsequenz, Ausgeglichenheit und Vertrauenswürdigkeit fehlen lässt. Angesichts vieler Hundehalter stellt sich doch schlicht die Frage, worin diese ihren Hunden eigentlich überlegen sind.

Viele Grüsse

Pitú


» User #291 schrieb:

Hi Jutta und Arco!
Schade, das Ihr in Berlin wohnt - sonst hätte ich gesagt kommt vorbei und ich helfe euch. Ich mache Verhaltenstherapien für Hunde und Ihre Familie! Für Hunde aus zweiter Hand und für sonst schwer zu vermittelnde Tierschutztiere mache ich das ehrenamtlich. Ansonsten nehme ich Spenden.
Vielleicht denkt in Berlin auch jemand kompetentes genauso wie ich (bei uns ist noch jemand und die nimmt 55 Euro für 45 Minuten - unmöglich)! Erkundige dich mal beim Tierheim oder Tierschutz! Meist helfen schon ein paar Ratschläge von mir! Aber bei Arco sitzt das "Problem" wohl tiefer und ich hätte ihn mir gerne persöhnlich angesehen!
Ich mache gezielte Verhaltenstherapie; manchmal auch mit Unterstützung von Bachblüten und Homöopathie! Und ich denke; das man Euch wunderbar helfen kann icon_wink.gif Bachblüten wären für Ihn ideal!
Versuche dich mal in Arco hineinzuversetzen - vielleicht hilft dir das auch!
Du kommst nicht zufällig mal nach Bremen (jemand Besuchen z.B.)?
Würde soooo gerne helfen, muss in diesem Fall Arco aber sehen!


» User #550 schrieb:

Liebe Forum-Freunde,

ich habe mich riesig gefreut, daß ich so schnell Resonanz hier fand mit meinem Problem. Auch wenn ich noch nicht so richtig vorwärts gekommen bin, so habe ich doch etwas Sicherheit gewonnen, daß ich mit meinen Empfindungen nicht völlig falsch liege. Bestimmt muß man im Leben immer einen Weg erst mal finden, bevor man ihn beschreiten kann. Wenn man dann selbst dahinter steht, ist es auch viel leichter, als wenn man nur mechanisch allen Vorschlägen folgt (ähnlich wie beim Abnehmen (beim Menschen), das immer am besten klappt, wenn man vom Kopf her hinter dem Weg steht und Neues logisch und verständlich erklärt wurde - wichtig ist dann oftmals sogar fast nur, daß man nicht laufend den Weg wechselt!)

Na ja, das war mal ein kleiner Abschweif in ein persönliches Problem, das jetzt nichts mit Arco zu tun hat - analog gesehen profitiere ich aber eben auch von meinen eigenen Erkenntnisprozessen aus 47 Lebensjahren, lach.

Auf alle Fälle gefällt mir der sanfte Weg für Arco sehr gut, denn ich glaube, daß damit im Laufe der Zeit nicht nur mechanischer Gehorsam sondern grundlegendes Vertrauen zum Menschen von ihm aufgebaut werden kann. Ich sehe ja auch, daß Arco ein ruhiger Alltag viel besser bekommt, als der ständige Wechsel von Trubel. In ruhigen Situation versuche ich Arco jetzt z. B. vorzubereiten, wenn ich Trubel erwarte oder erahne. Ich wecke ihn vorsichtig mit aufmunternden Worten, damit er durch Klingeln oder durch Besuch nicht aus dem Schlaf schreckt. Dann streichle ich ihn viel oder aber das übernimmt auch mal mein kleiner Sohn. Klingelt es dann, rede ich wieder beruhigend auf meinen bellenden aufgeregten Arco ein und sage ihm, daß wir mal nachsehen werden, wer da hochkommt. Ich lasse ihn bewußt dem Besuch entgegenlaufen (der auch vorbereitet ist). Dann bringt Arco die Besucher, die ihn ja schon freudig begrüßten, mit hoch und geleitet sie sozusagen in die Wohnung. Das klappt jetzt immer gut so und er akzeptiert nun zunächst Fremde in unserer Runde. Mein Großer reagiert inzwischen auch nicht mehr ganz so ängstlich und abwartend, wenn er nach Hause kommt, sodern hockt sich schon öfter zu Arco hinunter, der ihn regelrecht zum Streicheln auffordert. mein Großer hat nämlich gesehen, daß Arco dann auf Besucher auch ruhiger reagiert, ihnen nichts tut und sich freut.

Trotzdem kommt es immer noch (jeden Tag) aus heiterem Himmel vor, daß Arco knurrt und bellt, wenn Besucher oder mein Großer aufstehen wollen (also dabei wieder größer werden als im Sitzen oder Hocken oder aber wenn sie einfach nur die bestehende Situation bzw. Stimmung verändern) Es dauert dann leider auch nicht lange bis dieses Knurren und Bellen recht aggressiv klingt und man wirklich befürchten muß, daß Arco mal zuschnappt. Noch schlimmer wird es, wenn derjenige versucht, Arco mit dominantem Verhalten einzuschüchtern (was ja viele als Abwehr- oder Schutzreaktion ganz automatisch tun). Ich versuche Arco möglichst schnell aus der brenzligen Situation wegzudrehen, halte ihn beruhigend fest (auch weil das den Besuchern dann mehr Sicherheit gibt). Der Erfolg ist meistens noch nicht so doll und dann bitte ich schon mal Besucher oder meinen Großen, für einen Moment den Raum zu verlassen, damit Arco mein Beruhigen überhaupt wahrnimmt. Dann geht es ganz schnell und ich denke Arco ist auch ein bißchen erschöpft in solchen Momenten. Nachher verhält er sich vielfach wieder ruhiger gegenüber den anderen Personen.

Außerdem habe ich so einiges über diese Calming-Signale gelesen, finde es superinteressant. Und wenn ich mit Arco allein bin, "rede" ich auf diese Weise oft mit ihm. Er reagiert dann ähnlich darauf, das ist schon sehr beeindruckend! Da möchte ich auch gerne weiter ansetzen und versuchen, so Arco ruhiger auf alles einzustimmen. Nur Besucher lachen manchmal, weigern sich leider auch, das Gleiche zu probieren. Aber ich bleibe bei diesem Stil und lasse mich durch das Belächeln nicht beirren. In Verbindung mit Belohnungen bei richtigem Verhalten versteht Arco ganz offensichtlich schon besser, daß ihm hier nichts Schlechtes passiert.

Das alles sind ganz kleine Schritte und vielleicht schon erste Erfolge (auch wenn es öfter wieder Rückschläge gibt). Ich will es immer noch schaffen mit Arco, das ist bestimmt das Wichtigste - daß er meine Kontinuität bemerkt. Ich könnte noch viele Beispiele nennen, aber mein Kleiner Sohn geistert hier herum und drängelt, daß wir mit Arco raus gehen. Ich schreibe demnächst wieder mal und hoffe weiter auf alle Eure Hinweise.

Sehr neugierig bin ich auch darauf, was Bachblüten bewirken können. Dazu schreibe ich demnächst noch an Marina. Vielleicht kann man ja das kombinieren mit allem, was ich jetzt schon probiere.

Ach so, Hundeschule werde ich wahrscheinlich nicht schaffen - ist ein finanzielles Problem und auch eins, weil ich selber Probleme habe, z. B. mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren (Ängste), außerdem bin ich auch körperlich wohl nicht fit genug für ein Training auf dem Hundeplatz. Leider habe ich auch große Hemmungen seit 2 Jahren in größeren Menschengruppen zu agieren. Genau darum bin ich froh, daß ich nun durch Arco wieder mehr Kontakte knüpfe und raus muß (auch wieder gerne rausgehe aus meiner Wohnung) und endlich wieder die Natur entdecke. Aber bis zum Hundeplatz und dann zu einer Gruppe Menschen, die besser drauf sind als ich ... das ist noch eine Nummer zu groß für mich. Wird leider noch dauern, bis ich wieder einmal ganz die Alte Jutta bin. Ich habe das alles nur aufgeschrieben, damit Ihr versteht, warum bei mir manches geht und manches nicht.

Herzliche Grüße an alle Hundefreunde hier von Jutta aus Berlin


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