Haustiere

Unterschiedliche Erziehungsmethoden bei Problemhunden?

» User #44 schrieb:

Hallo, Nicole,

Deiner website habe ich entnommen, daß Du selbst Hunde trainierst und ich unterstelle mal, daß Du viel von Hundeerziehung verstehst und sicher die Dir anvertrauten Hunde mit Erfolg trainierst.
Allerdings scheint es beim Thema Hundeerziehung mindestens ebenso viele unterschiedliche Auffassungen zu geben, wie beim Thema Kindererziehung.
Ich besuche (als Anfänger) seit 3-4 Monaten die Hundeschule dogtrain in Berlin, die ebenso wie Du absolut Gegner von Starkzwangmitteln ist und auf artgerechte Ausbildung und Training des Sozialverhaltens, z.B. mit Spielgruppen, setzt.
Im Unterschied zu Deiner vorgeschlagenen Methode wird jedoch nicht mit positiver Verstärkung gearbeitet, aus einem Grund, der mir sehr einleuchtet: Erziehung durch Lob ist eine menschliche Methode. Innerhalb eines natürlichen Rudels loben sich die Tiere gegenseitig nicht und ein ranghohes Tier bringt dem rangniedrigen Tier auch keine Beute oder Leckerli, wenn es sich korrekt verhält. Vielmehr werden rangniedrige Tiere bei Fehlverhalten zur Ordnung gerufen und bei korrektem Verhalten schlicht in Ruhe gelassen.
Für mich war dieses Argument nachvollziehbar, zumal die Methode eben gut funktioniert und mein Hund längst stubenrein ist.
Letzlich finde ich es aber in erster Linie wichtig, daß jeder Hundehalter seinen Hund überhaupt erzieht und zwar ohne Schmerzen und Gewalt und daß die Erziehung erfolgreich ist, unabhängig von der Methode. Solange über die Hälfte aller Hunde, die draußen herumlaufen, nur dann auf ihren Halter hören, wenn sie gerade nichts besseres zu tun haben, kann ich nur jedem raten, eine Hundeschule zu besuchen und wünsche auch Dir regen Zulauf und viele, viele Kunden!

Viele Grüsse

Pitu


» User #424 schrieb:

Ja, es ist wirklich so. Man fragt 10 Fachleute und bekommt 12 Antworten! Ich erlebe das tagtäglich mit meinen Kunden. Der eine findet meine Art gut und richtig und macht dann auch gut mit, der andere findet eben eine andere Methode besser. Wichtig ist einfach, daß man nicht alles mögliche an seinem Hund ausprobiert, sondern sich mit einer Methode intensiv befasst und dieser Linie dann auch treu bleibt.
Du hast natürlich recht, wenn du sagst, daß Hunde sich untereinander nicht loben. Aber z.B. Clickertraining hat ja nichts mit Dominanz zu tun, sondern lediglich mit dem Lernverhalten des Hundes. Und der Hund lernt nun mal über Erfahrung. Hat er mit einem gezeigtem Verhalten Erfolg (Leckerchen, Ballspiel, Aufmerksamkeit), wird er es weiterhin zeigen. Hat er keinen Erfolg (Ignorieren des Hundes) verliert sich das Verhalten irgendwann. Das hat wie gesagt nichts mit Dominanz zu tun, aber so ist nun mal das Lernverhalten des Hundes.
Ich wünsche weiterhin viel Erfolg und viel Spaß mit Deinem Hund!
Gruß Nicole


» User #80 schrieb:

Hallo,
wenn man Wolfsrudel gerecht erziehen wollte, müßte man auch Druck und Zwang anwenden(ich vermeide es auch!), da dieses auch im Rudel geschehen würde.

Aber: die Hunde leben eher in einem Rudelverband, das dem der Koyoten ähnelt!
Sicher, Junghunde dürfen ne Menge und müssen nicht viel. So sieht es das Rudel vor.
Problem ist nur, das wir nicht im Wald und auf der Wiese hausen und unser Territorium auch keine mehrere hunderte Quadratkilometer umfasst. Wir bewohnen mit unseren Hunden das zivilisierte, engbesiedelte Deutschland.
Zur Motivation läßt sich nur sagen, dass auch im Rudel eine positive Bestärkung gehandhabt wird, da sich fügende Tiere engere Sozialkontakte haben dürfen und dann auch leichter aufsteigen und mehr an dem Miteinander teilnehmen dürfen.
Du sollst das Spieli nicht deinem Hund hinterhertragen, sondern es so einsetzen, als sei es deine Beute und er darf sich daran beteiligen, sobald er das gewünschte Verhalten zeigt. Ebenso würgen Alttiere Nahrung hoch, wenn ein Welpe oder Jungtier sich angemessen verhalten hat und sich somit diese verdient hat.

Außerdem bin ich persönlich der Meinung, dass man einen Hund so individuell erziehen sollte, wioe er sich zeigt. Es gibt Momente im Leben, in denen man nicht ganz auf Druck und Zwang verzichten kann. Natürlich kann man, wenn man im Vorfeld alles richtig gemacht hat, diese stark reduzieren. Eine Maßregelung muß der Missetat angemessen sein und muß im richtigen Moment kommen. Und man darf nicht versäumen, den Hund im nachhinein wieder aufzubauen.
Gruß Julia & Meute


» User #44 schrieb:

Hallo, Julia,

woher stammt die Theorie, daß das Sozialverhalten von Hunden eher dem der Kojoten als dem der Wölfe ähnelt?
Würde mich mal interessieren, weil ich in den mir bekannten Büchern immer genau das Gegenteil gelesen habe. Z.B. scheint es im Kojotenrudel üblich zu sein, daß mehrere Hündinnen Welpen haben und sich sogar um die Welpen der anderen kümmern. Bei Wölfen hat normalerweise nur die Alphahündin Junge und beißt sogar fremde Welpen tot (was wiederum häufig als Begründung angeführt wird, warum zu dominante Hündinnen Kinder angreifen).
Würde jedenfalls gerne mal mehr über das Sozialverhalten von Kojoten erfahren, hast Du irgendwelche Buchtipps dazu?

Viele Grüsse

Pitu


» User #80 schrieb:

Hallo,
sorry, dass ich erst jetzt antworte, aber ich bin nicht eher dazu gekommen.
Gudrun Beckmann hat dazu ganz interessante Arbeiten geliefert.
Hier einige kurze Auszüge:
Sie sagt, dass wir ja meinen, das unsere Hunde das Omegatier sein müssten und auch zu unseren Kindern und unserem Besuch nett sein müssten... Wenn der Hund also die Sozialstruktur des Wolfes hätte, bekämen wir ein Problem. icon_eek.gif
"Wölfe empfangen nämlich keinen Besuch...weshalb auch -Höflichket Fremden gegenüber- nicht in ihr Ausbildungsprogramm gehört. Und wenn die Alphahündin Welpen hat, verläßt sie sich nicht darauf, dass der Omegarüde sich ihren Welpen unterwirft...dann paßt sie selber auf.Und wenn sie doch weg muß, dann überläßt sie die Jungen der Betawölfin, aber nie dem Omega, dieser ist immer unzuverlässig."
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"Wölfe leben in einer hierarchisch aufgebauten Rudelrangordnung, Hunde aber, wenn man sie nur läßt, im "erweiterten Familierudel" mit festert Arbeitsteilung. Wie Coyoten, Indische Rothunde und Afrikanische Wildhunde.
Es gibt drei in Altersstufen unterteilte Stände: die Alttiere, die Helfer und die Jungtiere."
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Ich könnte dir noch mehr Zitate raussuchen, denke aber, das dieses für den Anfang reicht.

Gruß Julia


» User #1365 schrieb:

@Merlin,
Deine Aussagen im Bezug auf ein Wolfsrudel kann man so nicht gelten lassen und werden auch durch Wolfsforscher wie Mech in keinster Weise gedeckt.
Nach neuesten Erkenntnissen aus der Wolfsforschung, sieht es wohl so aus, dass ein Wolfsrudel in der Regel aus Mama und Papawolf und den nachkommen der beiden, aus evt. verschiedenen Würfen bestehen. Also steht viel mehr die Elternschaft im Vordergrund als die Alphaposition. Dazu gibt es Wissenschaftlich belegtes Material von David Mech. Aus seinem aus 13 Jahren gewonnen Material geht hervor, dass Wölfe Meister im Konfliktlösen sind. Sie vermeiden Auseinandersetzungen, wann immer es geht. Ernstkämpfe sind die absolute Ausnahme. David Mech hat innerhalb der 13 Jahren Wolfsbeobachtungen auf dem Kanadischen Ellesmere Island keinerlei Dominanzstreitigkeiten mit anderen Wölfen beobachtet.


Gruß Adrian


» User #934 schrieb:

Hallo miteinander!
Ihr unterhaltet euch hier über die Erziehungsmethoden des Wolfs- bzw. des Kojotenrudels im Normalfall.
Mich würde jetzt allerdings interessieren, wie ja auch in der Headline steht, die Erziehung eines Problemhundes, da ja wie gesagt bisher nur vom "Normalhund" gesprochen wurde.
Auch hierrüber gibt es ja die verschiedensten Ansichten, und da ich mich selbst stark mit dem Thema beschäftige, würde mich eure Meinung bzw. erfahung sehr interessieren!
Lg. Alisha icon_wink.gif


» User #1365 schrieb:

OK Alisha,
da waren Wir leider wieder mal OT.
Deine Frage kann so einfach leider nicht beantwortet werden. Problemhund ist nicht gleich Problemhund was also meinst Du genau?
In vielen Situationen habe ich mich für das Clickertraining entschieden. Man kann den Hund so für erwünchtes verhalten belohnen. In anderen Fällen arbeite ich mit den Fisher Discs, geht aber schon in die Richtung Giftschrank, dies sollte man sich immer vor Augen halten. Für besonders „schwere Fälle“ benutze ich eine mit Steinen gefüllte Dose, zum „erschrecken“, ist aber schon etwas weiter hinten im Giftschrank, um es mal bildlich auszudrücken.
Die Dose benutze ich für die „Strafe Gottes“, wie ich es mal nennen will. Sie kommt aus heiterem Himmel geflogen, ohne das der Hund weiß woher und mich mit Ihr in Verbindung bringen kann.

Gruß Adrian


» User #934 schrieb:

hallo adrian!
Ich für meinen teil, hab es mir zur aufgabe gemacht, wirklichen Problemhunden und deren Besitzern zu helfen.
Für mich ist ein Problemhund einer, der entweder ein massives Dominanz oder angst oder im schlimmsten Falle eine Angsaggression hat.
Da ich in einem Verein tätig bin, eigentlich nur für Unterordnung und welpenschule, habe ich mich dann entschlossen, auch sogenannte Problemhundkorrektur anzubieten.
Da du ja ebenfalls ausbildest, würde ich diesbezüglich gerne ein paar Meinungen und methoden mit dir austauschen. Natürlich auch mit allen anderen icon_wink.gif .
Wie reagierst du im (für mich schlimmsten) Fall, bei einer Angstaggression in bezug auf Mensch und Hund?
Ich dank dir bzw. euch schon mal im voraus
lg. Alisha icon_wink.gif


» User #1365 schrieb:

@ Alisha,
wenn durch einen Tierarzt ausgeschlossen werden kann das der Hund schmerzen hat, bzw einen Tumor würde ich versuchen zu helfen. Da es in diesem Fall gefährlich werden kann, würde ich den Hundeführer bitten seinen Hund an einen Maulkorb zu gewöhnen. Erst den Maulkorb nur zu hause, ganz kurz dann immer länger und zum Schluss auch zum Gassi gehen. Wenn der Hund dann an den Maulkorb gewöhnt ist kann’s losgehen. Ich denke mal ein Universalrezept wird es in diesem Falle ja nicht geben, also muss ich versuchen dem Halter gut zuzuhören und versuchen herauszubekommen was schief gelaufen ist. Oft ist der Halter ja mehr oder weniger selbst an dem Problem schuld.
Mit anderen Worten, ich bräuchte jetzt mehr Infos.

Gruß Adrian


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