Haustiere

Sind Chow Chow's wirklich schwer erziehbar?

» User #19868 schrieb:

Hallo miteinander,
vor ca. 20 Jahren hatte ich unter Anderem auch einen Eurasier. Der ging sogar ohne Leine bei Fuß. Nun habe ich 2 Chow`s, mit denen ich arge Schwierigkeiten habe. Das 3jährige Mädchen ist derart langweilig und stoisch und beschnüffelt jeden Grashalm. Damit komme ich noch klar. Das 1jährige Männchen ist anhänglich, rennt aber ohne Leine weg. Nun habe ich das mit dem Klickern gelesen. Besteht damit die Möglichkeit, einem Chow Chow etwas mehr Erziehung beizubringen?
Vielleicht hat jemand ähnliche Probleme und kann mir helfen?
Liebe Grüße,
wolfdieter


» User #12972 schrieb:

Hallo,
willkommen erst einmal in unserem hundeverrückten Forum.

Chows brauchen eine konsequente durchgängige Erziehung, sowie Bouviers auch.
Sie sind nicht stur oder "langweilig", sie testen.
Und beide sind im richtigen Alter für das Austesten des Halters.

Klar könntest Du mit clickern einiges erreichen, wenn dies der Weg ist, um sie zu motivieren.
Allerdings, wenn hier noch keine Erfahrungen vorliegen, würde ich dies mir von einem Trainer, der diese Möglichkeit anbietet, erklären lassen.
Auch hier ist es eine Frage der zeitlichen Abfolge.

Das Rumschnüffeln ist ja nur ein Ausdruck des nicht Fürvollnehmens Deiner Person.
Und daran kann man auch ohne Clickern was tun.
Klare und eindeutige Befehlsgebung.
Oder Anweisungen!

Die Kleine soll z. B. Sitz machen:
da sie aber keine Lust drauf hat, wird sie wahrscheinlich verweigern.
Nun gibt es viele Wege nach Rom oder wie hier zum Sitz:
Der 1. Weg, durch Druck und Zwang - was ich persönlich als Trainer ablehne - so erreicht man keinen Respekt, sondern es könnte sogar noch mehr zu negativen Sachen führen.
Der 2. Weg wäre über Futtergabe, sie müsste sich also ihr Futter über die Befehlsgebung erarbeiten.
Der 3. Weg man führe was ganz leckers über die Nase über den Kopf hinweg - Ergebnis ein klassisches Sitz!

Kurz:
Achte darauf welchen Befehl Du wann gibst. Es macht keinen Sinn, wenn Du ihr im Abstand von 100 Metern ein Platz anbietest und sie ignoriert Dich. Konsequent kannste auch nicht gleich sein, denn Du stehst ja 100 Meter wech...
Gibst Du das Fuss, dann setze es auch um!

Tip für die Kleine:
Trainiere das Fuss, bis es wirklich richtig klappt.
Je nachdem, ob Du zu Ausstellungen fahren willst oder Prüfungen machen möchtest, sollte das Fuss aussehen. Im o.g. Fall links neben Dir, die Schulter des Hundes schließt an Deinen linken Knie ab, Leine wird von rechts geführt und Deine linke Hand liegt locker in der daraus resultierende Schlaufe.
Wenn es nur für den Hausgebrauch ist, reicht es, wenn sie fluffig an der lockeren Leine links neben Dir läuft.

Wenn sie nur ansatzweise ordentlich läuft, wird sofort ohne Verzögerung abgelobt.

Ist sie allerdings in einem Grashalm vertieft, würde ich kein Befehl geben, sondern ihre Aufmerksamkeit erst einmal wieder auf mich bringen.
Hier muss ich passen, denn ich kenne die Süße ja nicht.

An dieser Stelle muss ich erwähnen "Clickern" untersützt das Ganze, aber wie schon erwähnt, die zeitliche Abfolge von "Click" - "Befehl" usw. muss stimmig sein.
Wenn hier was über unsachgemäße Händlung verkehrt läuft, kannst praktisch den "Clicker" in die Tonne hauen.

Was Deinen Lausbuben betrifft? Nun ja, er tanzt Dir ebenfalls auf der Nase rum. Und nimmt Dich als Chef nicht für voll.

Schleppleine würde ich empfehlen, aber bitt nicht an ein Halsband befestigen! Geschirr ist hier Pflicht und für Dich Handschuhe!
Der Hund bekommt die Schleppleine rann, nicht damit er nicht wegläuft, sondern damit Du das Hierher oder Komm oder... trainieren kannst.

Erst, wenn das sitzt würde ich in einem geschützten Raum (eingezäunten Hundeplatz), dass Abrufen trainieren. Ein Bekannter oder ein Trainer dillert mit Deinem Rüden rum und Du rufst ihn (z. B.), kommt er - abloben bis der Arzt kommt, kommt er nicht, holst Du ihn über die Schleppleine, die diesmal lose am Hund hängt, ein. Und wiederholst den Befehl.
Selbst, wenn Du eingreifen musst, wird immer abgelobt.

Einzeltraining ist hier leider jetzt ein Muss. Aber ich glaub 15 Minuten für jeden Hund, ist kein großer Aufwand.
Solltest Du jetzt ein Grundstück haben, wo beide Hunde sich aufhalten und Du trainierst mit dem einen, wird der andere konsequent ignoriert.
Dies gilt selbstverständlich für jegliches Training egal wo. grins***

Denke immer daran, dass der Fehler in der Kommunikation zwischen Dir und Deinen Hunden liegt.
Die sind so, wie sie sind eben Chows...
Und Du musst über konsequente (heißt ja nix weiter, einen einmal gegebenen Befehl um- bzw. durchzusetzen) Erziehung ihnen klar machen, dass Du ihre Eigenarten zwar verstehst, aber Dir die Befehle wichtig sind.

Viel Arbeit ist es, wenn man mit Hunden, die so selbstständig im Leben stehen arbeiten will.
Die nicht von gleich auf sofort ihren Halter als Boss ansehen.
Aber ich kann Dir aus mindestens 2 persönlichen Beispielen mitteilen, wenn Interesse bestände, dass es machbar ist.
Man muss nur gelassen, geduldig, konsequent und respektvoll mit diesen wunderbaren Tieren umgehen.
Viel Spaß beim Trainieren.
Gruß eggi


» User #19868 schrieb:

Hallo Eggi,
vielen Dank zunächst auf deine inhaltsvolle und gut verständliche Antwort, die mir doch Mut macht. Ich musste mir schon häufig den Spruch "ein Hundetrainer, der einen Show trainiert, hat keine Ahnung" anhören, wollte es aber nie glauben.
Mein Rüde (meiner Frau gehört das Mädchen)unterwirft sich mir FREIWILLIG und GERNE! Daher glaube ich auch, dass ich es schaffen werde, einen gehorsamen aber doch selbstständigen Hund zu bekommen.
Ich würde dir gerne über meine zukünftigen Erfolge aber auch über Misserfolge berichten.
Liebe Grüße,
wolfdieter


» User #12972 schrieb:

Hallo,
ich könnte auf diesen doch sehr merkwürdigen Spruch nur eins sagen:
Wer es nicht schafft als Trainer einen Chow einigermaßen gut zu erziehen, hat keine Ahnung!
In 1. Linie sind es Hunde.
In 2. Linie haben sie so ihre Eigenarten.
In 3. Linie gilt es herauszufinden, wie kann ich die Motivation an den Hund weitergeben, damit er eben das Gewünschte nur ansatzweise tut.

Viele sind der Meinung, dass manche Rassen nicht wirklich erziehbar sind.
Und hier fängt es doch schon an. Erziehung heißt doch nur bei Hunden, dass sie
1. für sich und für das Umfeld keine Gefahr darstellen
und
2. in das Leben des Halter "eingeführt" werden, damit ein tolles Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier erfolgen kann.
Eben teammäßig! Und der Spaßfaktor darf natürlich nicht fehlen.

Das ist in meinen Augen Erziehung.

Manche kommen zu mir und sagen:
Mein Hund ist so doof, der macht was er will, der hört nicht usw.

Mit der Zeit gewöhnt man sich daran, aber es stößt mir immer noch irgendwo sauer auf.

Für mich gibt es als Trainer keine nicht erziehbare Hunde, sondern für mich steht fest, dass die Kommunikation zwischen Mensch und Hund fehlerhaft ist, wenn es eben nicht klappen sollte.

Manchmal muss man auch alle Lehrbücher in die Tonne hauen und sich eigenständig Motivationen ausdenken.

Da beide Hunden ja, so les ich es raus, bei Euch gemeinsam leben, würde ich die "Hunde" auch mal tauschen. So dass sie auch lernen, meine "Nichtbezugsperson" hat mir genauso viel zu sagen, wie meine Bezugsperson.
Allerdings muss die Händlung der Erziehung gleich sein.


Selbstverständlich kannst Du weiter berichten, würde mich interessieren.

Konsequente, maßvolle und liebevolle, als auch geduldige Erziehung wirkt!

Gruß eggi[/b]


» User #4693 schrieb:

Also, ich glaube schon, dass es da
deutliche Unterschiede zwischen den Rassen gibt.
Ich hatte ja den Vergleich Schäferhund - Neufundländer.
Da lagen Welten dazwischen.
Der eine WOLLTE hören und lernen, geistig beschäftigt werden, der andere ist eine stoisch Mimose.
Dem Neufundländer war nicht viel mehr beizubringen, als Sitz, Platz, Leinenführigkeit. Kommando "Komm" schon schwierig. Er kam oder nicht. Nein, er kam eigentlich immer, es war nur die Frage, wann.
Der hat Erziehung immer als Beeinträchtigung seiner Persönlichkeit empfunden icon_mrgreen.gif

Kürzlich hab ich meinen Ex-Mann und damit auch meinen Ex-Hund besucht (nach 3 Jahren, der Hund ist jetzt 6,5 Jahre alt).
Mit dem Ex-Mann komm ich klar, der Ex-Hund hat mir noch immer nicht verziehen, dass ich ihn erzogen habe. Dabei hab ich den wirklich mit Samthandschuhen angefaßt. Nachtragend, wie ein Elefant.

Wie auch immer, ich glaube, dass es noch weit extremere Rassen gibt, in der einen wie anderen Richtung.


» User #240 schrieb:

Bestimmt gibt es Hunde, die leichter zu erziehen sind und Hunde, die Meister im "Ohren auf Durchzug stellen" sind. Ich hab da immer noch Diskussionen mit meiner Mutter... Sie meint immer, mein Hund hört sowieso nur, wenn er will. Sie geht auch nur mit langer Leine mit ihm raus, abrufen kann sie ihn nicht. Klar hört mein Hund nur, wenn er will - aber ich seh die Kunst darin, ihn dazu zu bringen, dass er das Gleiche will wie ich icon_lol.gif Funktioniert auch, ich hab die Leine meist nur als "Deko" mit, er läuft zweckmäßig bei Fuß und kommt auch zu mir, wenn ich rufe. Da ich weiß, dass er beim Abrufen gerne "akute Rheumaschübe bekommt" (sprich, er kann keinen Schritt schneller laufen *gg*), wird er eben etwas früher als wirklich nötig abgerufen - klappt auch *gg*


» User #12972 schrieb:

Hallo,
klar es gibt Unterschiede, die Leinenführigkeit eines Hundes würde ich aber nicht unbedingt nur an seiner Herkunft festmachen, sondern auch am Menschen hauptsächlich.
Unsere Hunde sind clever, sie wissen genau wo sie tricksen können und bei wem nicht.
Manche Hunde lernen schnell und sind wie verrückt drauf, andere Hunde sind gemütlich und denken sich:
Och, mach nur Frauchen/Herrchen, aber das Mauseloch ist interessanter.

Und hier muss man eben maßvoll ihn begreiflich machen, dass Frauchen/Herrchen immer das letzte "Wort" haben.

Geduld und Ausdauer sind hier die Schlüsselwörter.

Wenn ich so an unsere Schwägerin denke, ist sie das Paradebeispiel an Geduld, an den Hund glauben und an liebevolle, konsequente Erziehung.
Sie hat einen Bouvier und dieser Hunde schalten auch mal hier und da auf "Bohnen in den Ohren".
Sie hatte wirkliche Probleme, aber sie blieb am Ball und es hat funktioniert.

Oder, um gerecht zu bleiben. Meine Frau und unser Tom...Unser Rüde akzeptierte meine Frau erziehungstechnisch überhaupt nicht. Streit und Tränen waren hier und da schon mal angesagt.
Aber trotz allem, blieb sie am Ball und trainierte mit Tom, bis Tom praktisch "aufgab", weil er erkannte, sie weiß was sie will.

Ums mal so auszudrücken.
Man muss am Ball bleiben, muss herausfinden, wie "knacke" ich die Lernblockade des Hundes und wo muss ich als Mensch umdenken.
Ich finde sogar solche Hunde interessanter, denn der Mensch wird dadurch gezwungen sich mit dem Individum Hund auseinander zusetzen, muss intensiv mit ihm arbeiten und das kann nur förderlich sein.
Grüße eggi