Haustiere

Entscheidungshilfe Gassihund: Vor- und Nachteile

» User #3675 schrieb:

Liebe Foris,
für alle Hundenarren, die sich einen eigenen Hund aus verschiedenen Gründen nicht halten können und sich hier im Forum beratschlagen lassen oder ihren Frust loswerden, wird hier immer gern empfohlen, Gassihunde auszuführen, sich im Tierheim zu engagieren, o. ä.

Da ich selbst in einer solchen Situation bin und seit zwei Jahren (so lange schon icon_eek.gif) eine Gassihündin habe, möchte ich darauf hinweisen, dass so eine Möglichkeit nicht NUR Vorteile hat. Ich empfehle ja selbst gern eine Art "Dogsharing" oder Pflege- oder Gassihunde, aber im Dienste einer objektiven Entscheidung sollte man überlegen, ob man das wirklich will und sich das auch gefühlsmäßig zumuten kann. Einerseits: Immer besser als nichts! Andererseits: Manchmal kommt dann doch der Frust hoch ...

Hier noch einmal - aus Erfahrung - alle Vor- und Nachteile eines Gassihundes zusammengefasst:

VORTEILE:
- keine Kosten (außer dem, was man freiwillig für Leckerli und Zubehör ausgibt)

- keine große bzw. dauerhafte Verantwortung (man gibt den Hund nach dem Gassi wieder ab und muss sich groß um nichts
kümmern - nicht um Füttern, nicht um Fellpflege ...)

- zeitliche Flexibilität und kaum Verpflichtungen (kommt auch auf die Umstände an - als regelmäßiger, bezahlter Gassigänger hat man natürlich die zeitliche Verpflichtung, um eine bestimmte Zeit mit dem Hund zu gehen - ich bin freiwilliger Gassigänger und "muss" aus Sicht der Hundehalter gar nicht gehen ... Das heißt, bei strömendem Regen oder wenn ich anderweitig mit Freunden verabredet bin, könnte ich leicht absagen und den Wuffel sitzen lassen - was ich allerdings nicht tue - ich presse Gina immer mit in meinen Tagesablauf icon_wink.gif)

NACHTEILE:
- man wird u.U. Ziel der Eifersucht der Hundehalter ("Bei dir hört er/sie viel besser als bei mir ...") - ist bei mir zum Glück nicht der Fall. Aber nicht jeder Hundehalter kann mit der Tatsache umgehen, dass Herrchen und Frauchen komplett abgemeldet sind, sobald der Gassimensch da ist. Gina lässt sich von ihrem Herrchen nicht mal unter Drohung von mir abrufen ...

- keine Verantwortung - kann auch negativ sein! Wenn der Hund krank ist und nicht raus darf (z.B. verrenkte Pfote) hockt man zu Hause und macht sich Sorgen ... wie es dem Hund geht ... ob die Halter verantwortungsbewusst sind und zum TA gehen, wenn es nötig ist ... ob die Halter besorgt genug sind und evtl. Schmerzanzeichen des Hundes ernst nehmen ...
Man kann auch nicht hingehen und den Hund besuchen - würde man das tun, würde der Hund leiden, weil er nicht begreift, dass man ihn zum Gassi nicht mitnimmt, sondern nur kurz da ist und wieder geht ... Also: Gar nicht erst blicken lassen ...

- man erlebt viele Situationen MIT Hund nie (z.B. Urlaub an der See, ein tiefschlafender Hund, ein Hund auf den Füßen, während man am Schreibtisch Bürokram erledigen muss, ...)

- Hund fehlt im normalen Tagesablauf (man vermisst ihn ...)

- mehrere Menschen "pfuschen" in der Erziehung des Hundes rum (Herrchen feuert die Katzenjagerei an, ich bestrafe sie ...)

- hohe moralische Verantwortung beim Gassi (wenn dem eigenen Hund beim Gassi was passiert, ärgert man sich zwar, ist aber auch nur für die eigene Sorge verantwortlich - passiert dem Gassihund was, fühlt man sich auch noch gegenüber den Besitzern schuldig und muss sich u.U. für mangelnde Sorgfalt rechtfertigen - bei mir zum Glück noch nie passiert ...)

- keine zeitliche Flexibilität (mit dem eigenen Hund kann man gehen, wann es gerade gut passt und wann man will - wegen der Hitze gehe ich aktuell frühestens abends um 19 Uhr los ... muss dann aber um 21 Uhr zurück sein, weil die Halter ins Bett gehen und man sie nicht stören will - mit einem eigenen Hund müsste man auch um 22 Uhr kein schlechtes Gewissen haben, wenn es mal länger wird ...)

- überhaupt das schlechte Gewissen, täglich die Halter zu stören, wenn man den Hund holt und bringt (passiert nicht, wenn die Halter gezielt dafür bezahlen - aber das ist bei mir nicht der Fall. Ich habe eher Angst, dass die Halter von meinem täglichen Auftauchen manchmal genervt sind ... icon_redface.gif)

- mangelnder Einfluss und keine Entscheidungsgewalt, was grundlegende Dinge angeht (Wahl des Futters, medizinische Versorgung, Kastration, ...)

- die ständige Gefahr im Nacken, den Gassihund gegen seinen Willen unversehens loszuwerden: weil die Halter plötzlich nicht mehr wollen, weil die Halter samt Hund umziehen oder ggf. weil der TH-Hund, um den man sich kümmert, vermittelt wird ... Wenn man sich erstmal an das Tier gehängt hat, hat man panische Angst davor, es nicht mehr sehen zu dürfen. Man ist sehr abhängig vom Gutwillen anderer. icon_confused.gif

Auch wenn es den Anschein hat, dass ich im Moment etwas gefrustet bin, weil die Nachteilsliste schwer überwiegt (stimmt vermutlich auch ...), muss ich sagen, dass ich im Vergleich zu eifersüchtigen oder überbesorgten Haltern bei meiner Gassihündin Traumvoraussetzungen habe. Ich würde sie um keinen Preis der Welt vermissen wollen und das Gassigehen macht trotz der Nachteile immer noch Spaß. icon_wink.gif

Wer noch Vor- oder Nachteile zu ergänzen hat, den bitte ich unbedingt darum. icon_wink.gif
Vielleicht hilft diese Liste einigen in der gleichen Situation bei der Entscheidung.
Einen schönen Abend wünscht
Minou


» User #14825 schrieb:

Hallo, Minou,

Wenn ich Deine lange Liste der Nachteile lese, muß ich sagen, daß ich froh bin, einen eigenen Hund halten zu können. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, aber Du hast schon recht mit Deinen Argumenten.

Ich stand vor fast vier Jahren mal vor der Situation, daß sich jemand meinen Hund mit mir teilen wollte. Diese Frau hat meinen Hund zu einem Drittel ihrer Tochter (damals Ende 20) zum Geburtstag geschenkt, da hatte ich Shari noch nicht einmal ausgesucht. Die hatten sich das so gedacht, daß montags und dienstags der Hund bei ihnen ist, mittwochs und donnerstags sollte meine Mutter über den Hund verfügen. Und freitags bis sonntags durfte ich meinen Hund dann haben. Von diesen Leuten haben meine Mutter und ich uns schnell getrennt. Zur Zeit helfen die beiden meinem Exbruder, meiner Mutter das Haus, indem sie Wohnrecht hat, unterm Hintern wegzuziehen. Und ich schwöre Euch, das ist keine Geschichte nach dem Motto die Spinne in der Yuccapalme, sondern echt wahr.

Ganz liebe Grüße von Marion und Shari


» User #14825 schrieb:

Ach, Minou

Ich wollte Dich mit meiner Geschichte jetzt nicht schocken. Ich wollte nur mitteilen, daß ich Deine Argumentation und Deine Ängste verstehen kann. Ich finde es ganz toll, daß Du und der Besitzer von Gina so ein gutes Verhältnis haben.

Nun gute Nacht von Marion und Shari


» User #3675 schrieb:

Hallo Marion,
nein, geschockt hast Du mich nicht. Habe nur den Kopf geschüttelt, wie man von einem Hund verlangen kann, in drei Heimen gleichzeitig jeweils zwei Tage zu leben. Der würde sich ja bei den x Bezugspersonen gar nicht mehr auskennen. So ein Quatsch.

Mir ist noch ein Vorteil eingefallen: Man hat - falls es sich um einen Wohnungshund handelt - den ganzen Dreck, den Tiere naturgemäß machen (Haare, Pfützen vom Wassersaufen, Pfotenabdrücke, ...) nicht in der eigenen Wohnung. Darüber - ehrlich gesagt - bin ich manchmal auch froh, wenn ich bedenke, wie Gina manchmal aussieht. icon_redface.gif Obwohl die Schlammpfoten meines eigenen Katers denen eines Hundes in nichts nachstehen. icon_lol.gif (Und Hundepfoten sind wenigstens abwischbar! icon_evil.gif)

Gutes Verhältnis: Na ja. Ginas Besitzer interessieren sich mehr für ihre Enkelkinder, nach denen ich manchmal nur aus Höflichkeit frage. Mich interessiert nur Gina. Aber ihre Halter sind vermutlich froh, wenn ich nach sechs Wochen Ferien mal wieder nicht mehr jeden Tag vor der Tür stehe. icon_redface.gif
Liebe Grüße an Dich und Shari,
Minou


» User #14825 schrieb:

Nein, das, liebe Minou werde ich auch nie in meinem Leben verstehen. Und ich werde auch nie verstehen, daß diese Personen sich jetzt bei meiner Mutter im Haus eingenistet haben um sie in den Wahnsinn zu treiben. Alles Rache oder noch niedrigere Beweggründe.

Aber meine Shari ist so ein toller Hund geworden, auch wenn wir manchmal etwas "Gehorch-Probleme" haben. icon_wink.gif Aber, dafür ist Shari eben sehr selbständig und hat eigene lustige Ideen. Das liebe ich an ihr. Und wenn´s nötig ist, ist sie da und ich kann mich auf sie verlassen.

Mit dem Dreck von draußen ist das bei mir in der Wohnung ganz praktisch. Ich wohne ja im 3. Stock. Also, bis wir hier oben sind, ist der Dreck von Shari abgefallen. icon_mrgreen.gif

ganz liebe Grüße von Marion und Shari (die liegt zusammengerollt neben mir auf ihrer Decke)


» User #18665 schrieb:

Also wir haben die Ideallösung icon_wink.gif

Eigener UND Gassihund...
Wir haben dreimal die Woche eine Jagdhundwelpen in Pflege.
Wir standen vor der Entscheidung, ob wir uns einen zweiten Hund anschaffen oder nicht, da Alf in Gesellschaft eindeutig selbstbewußter ist und ihm das super gut tut.
Da wir aber keine Zeit für einen zweiten Hund haben, sind wir auf Umwegen zu unserem "Pflegekind" gekommen - eine superlösung!


» User #240 schrieb:

Bei mir wurde aus dem Gassihund der eigene Hund icon_smile.gif. Meine Eltern waren immer gegen einen Hund, gaben aber meinem Gejammere so weit nach, dass ich den Hund einer Bekannten ausführen durfte. Tja, und dann nahm das "Unheil" seinen Lauf icon_lol.gif. Er hat sich in sämtliche Herzen geschlichen und seine Ex-Besi war froh, dass er zu uns durfte, sie wollte ihn sowieso hergeben. Und dass mein Hund und ich das Ganze absolut klasse finden, brauch ich ja bestimmt nicht erwähnen! icon_wink.gif