Haustiere

Hundeabschuss per Jagdgesetz

» User #13286 schrieb:

Mal 'ne Frage : in den Jagdgesetzen steht, dass Jäger "wildernde" Hunde erschiessen dürfen (bzw sogar "sollen" icon_eek.gif ), wobei bereits als "Wildern" zählt, wenn der Hund 'ne Spur verfolgt und weit und breit kein Wild zu sehen ist. Nun meinte eine andere Hundehalterin, dass Jäger jedoch verpflichtet wären, den Besitzer zuvor mehrfach zu verwarnen, und erst wenn die Warnung nicht beachtet wird, dürften sie den Hund im Wiederholungsfalle abschiessen. Ich hatte bisher gedacht (und bin - leider - eigentlich immer noch der Überzeugung), dass vorherige Warnungen seitens des Jagdpächters eher Kulanzgesten sind. Habe diese Hundehalterin auch an einen uns beiden bekannten Text zum Abschuss von Hunden erinnert, aber sie meinte, dieser Text sei nur die verkürzte Fassung des entsprechenden Jagdgesetzes. (Vielleicht dass Jäger die "Warnpflicht"- falls vorhanden - lieber unterschlagen bei Info-veröffentlichungen, um die Hundehalter sozusagen etwas mehr zu ängstigen, sodass sie eher ihre Hunde im Zaum halten?)

Wisst ihr Genaueres über die vorherige "Warnpflicht"? (Die Jagdpächter wissen ja meist vor allem in kleineren Dörfern genau, welcher Hund wem gehört).


» User #12972 schrieb:

Hallo,
die Jagdgesetze sind mir nicht bekannt. Ich weiß aber, dass der Hund beim Wildern erschossen werden kann. Ich weiß aber auch, dass die Jäger hier erst einmal schauen, wo der Halter steckt. Ist der Halter außer Sichtweite - liegt es in der Hand des Jägers ob er abdrückt oder nicht - kulanter Weise.
Die meisten Jäger, die ich kenne verwarnen, denn auf den Dörfern kennt jeder jeden. Kommt der Halter seiner Verantwortung nicht nach, muss es wieder mal evtl. ein Unschuldiger - sprich der Hund -ausbaden.
Gruß eggi


» User #12036 schrieb:

Also, laut unserer Landeshundeverordnung gilt ein nicht angeleinter Hund, welcher vom Halter auch verbal nicht mehr kontrollierbar ist und Wild hetzt oder gar reißt, als gefährlich einzustufen und würde vom Ornungsamt mit dementsprechenden Maßnahmen wie Leinenzwang, Maulkorb, Wesenstest belegt.

Ob ein Jäger in so einem Fall von einem Gesetz berechtigt ist, den Hund zu erschießen, konnte mir der gute Mann vom Ordnungsamt leider nicht sagen. Da müßte man bei der Forstbehörde nachfragen. Allerdings äußerte er sich ähnlich wie Eggi, es ist sicher auch vom Jäger abhängig.

Ich habe noch diese Seite zu diesem Thema gefunden:
http://www.ljv-nrw.org/hunde.htm

LG Martina


» User #14431 schrieb:

Hallo Koko!

Das Thema trifft sich ja gerade gut! Ich betreue 6 Jagdhunde einer Jägerin und hatte vor kurzem das gleiche Thema angesprochen...

Erst letzten Samstag war sie mit ihren Hunden üben und hat im Wald einen streunenden (wahrscheinlich ausgesetzten) Hund gefunden. Den hat sie nicht gleich erschossen sondern eingefangen und zu einem benachbarten Bauernhof gebracht.

Der arme Kerl wartet jetzt dort auf ein neues zu Hause oder auf seine Besitzer falls vorhanden...

Zum eigentlichen Thema. Vorab: Ich bin kein Freund der Jagd!

Ich weiß, dass die Jäger berechtigt sind, streunende Hunde zu erschiessen, erstrecht, wenn diese hinter Wild hetzen...

Eine Verwarnung kann man ja nur aussprechen, wenn der Halter in Sichtweite ist...

Das Gleiche gilt ja auch für Katzen; leider!

In einem Umkreis von 250 Metern rund um ein Haus, dürfen Hunde und Katzen nicht geschossen werden!

Das ist echt traurig, wenn man bedenkt, dass so manche "Penner" ihren Müll oder sonstiges im Wald entsorgen und damit weitaus größeren Schaden anrichten, als ein Hund, der sich freut mal ohne Leine ein wenig im Unterholz stöbern oder mal eine schöne Strecke auf einem Feld rennen legen kann!

LG Gulo


» User #13286 schrieb:

Tja... ich habe im Grunde ja auch Verständnis für den Ärger der Jäger, wenn Leute (vor allem eben auch in ländlichen Gegenden) ihre Hunde alleine Gassi schicken. Morgens Haustür auf (oder Zwingertür auf) und Hund darf sich den halben Tag alleine amüsieren, wobei das Grundstück dann nicht eingezäunt ist. Sowas ärgert mich auch, ich möchte als Spaziergänger mit oder ohne Hund ja nicht so'nen Streuner an den Fersen hängen haben und dann alleine zusehen müssen, wie ich den wieder loswerd, wobei ich dann noch hoffen muss, dass der nicht auch noch aggressiv wird. Nur sollte man es nicht verallgemeinern, wenn ein Hund ohne Begleitung angetroffen wird, denn es kann sich ja auch um einen geliebten Familienhund handeln, der nur mal ausnahmsweise ein Minütchen ausser Sicht geraten ist. Aber selbst wenn es sich um Streuner handelt, die die sozusagen die ausdrückliche Erlaubnis ihres Besitzers haben : dem Hund die Todesstrafe zu verhängen, ist dermassen unsinnig... Meist sind deren Besitzer doch solche Leute, die total keine Beziehung zu ihrem Tier haben und den Vorfall achselzuckend abtun und sich gleichgültig halt einen anderen Hund holen.

Es ist zwar schön zu hören, dass es auch Jäger mit Herz gibt, aber ich selber kann leider nur negative Storys beitragen, und zwar eine ganze Menge. Nein, mir ist noch kein Hund erschossen worden, wenn es auch einmal fast soweit war, als ich als 12-j. Kind mal hinter einer unübersichtlichen Feldwegkurve am Wegrand Blumen pflückte, während der Hund 2 Schritte neben mir still auf dem Weg stand. Der Jäger kam grad um die Kurve, sah den Hund und ohne zweiten Blick legte er gleich auf ihn an. Grad in dem Moment richtete ich mich zufällig auf, sodass die Katastrophe in letzter Sekunde verhindert wurde. Die anderen Erlebnisse lasse ich mal weg, sonst wird's wieder ein Roman hier. Ich finde nur, dass es verbindliche Gesetze geben müsste und dass man als Hundehalter nicht von Gnade und Laune des einzelnen Jägers abhängig ist und nicht jedesmal tausend Ängste ausstehen muss, wenn man dem Hund etwas mehr Bewegung gönnen möchte, als an der längsten Leine möglich ist.

Ja, mit den wilden Müllkippen, da erwähnst Du einen weiteren Schadensposten für die Forstwirtschaft. Ich kenne noch einen : rasende Autofahrer. Ich bin oft mit meinem Vater mitgefahren, - er ist gehbehindert, und um die Natur dennoch geniessen zu können, tuckert er oft gemächlich auf kleinen Nebenstrecken durch die Landschaft, teils auch auf asphaltierten einspurigen Feld- und Waldwegen, sofern sie nicht gesperrt sind. Wie oft haben uns da nicht Autos in mörderischem Tempo überholt (mein Vater will mit seinem Schneckentempo natürlich niemand behindern und fährt rechtzeitig rechts ran, wenn normales Überholen nicht möglich ist), AUCH in der Morgen- und Abenddämmerung, wo doch eigentlich auch jeden Laien klar sein sollte, dass dann verstärkt Wildwechsel ist (wird doch bei Führerscheinprüfungen gelehrt?). Auf manchen befestigten Waldwegen hatte es Tempo 40 Schilder gegeben, - die Autos die uns überholten, hatten bestimmt 90 drauf, - auf einspurigen, eng gewundenen, unübersichtlichen Waldwegen, - das muss man sich mal vorstellen! Ich mein, man kann es nicht verhindern, dass einem mal Wild ins Auto läuft und man kann auch nicht verlangen, dass Autofahrer auf breiten Ausbaustrecken mit 40 daherkriechen (ausser es ist ausgeschildert), aber was sich Manche leisten, das ist meiner Ansicht nach mindestens genauso schlimm wie das aktive Wildern eines Hundes.


» User #12972 schrieb:

Guten Morgen,
eigentlich ist es nicht unsinnig, wildernde Hunde oder Katzen sind unakzeptabel. Hab mich mal mit unserem Jäger unterhalten, der sagte, ich hab ja selbst einen Hund, aber wenn Du gesehen hast, was ein Hund einem Reh so antun kann, dann würdest Du auch ganz schön kochen. Das Kitz z.B. aus dem Unterleib rausreißen, wobei das Reh noch lebt -
Ich musste ihm Recht geben, sowas ist aber die absolute Ausnahme.
Ich seh es einfach so, wenn jeder von uns, auf seine Fellnase achtet und ich kenne auch keinen Jäger, der wild drauf losballert, kann man friedlich neben einander leben. Wenn ich einen Hund mit ausgeprägten Jagdinstinkt habe, muss ich diesen Instinkt in eine sinnvolle Richtung trainieren. Macht Mühe!
Und wenn der Jäger nicht gerade dazu kommt, wenn ein Hund über ein Reh oder sonstiges herfällt, sollte er Herz beweisen und den Halter doch mal bitte ordentlich zur Schnecke machen, wenn dies zum Alltag des Hundes gehört. Ansonsten erst einmal die Lage peilen, was da überhaupt gerade passiert.
Gegenseitige Rücksicht, gesunder Menschenverstand und Verständnis für seinen Gegenüber hat noch niemanden geschadet. So sehe ich das eben. Wir sollten miteinander auskommen und uns nicht gegenseitig das Leben schwer machen und was kostet es denn, wenn gerade die Rehe ihre Kitze bekommen, nicht gerade an solchen Stellen zu laufen, sondern evtl. einen kleinen großzügigen Umweg laufen.
Und liebe Jäger, nicht jeder Hund, der gerade im Unterholz rumtobt wildert, es könnte auch ein Hund sein, dessen Halter beschlossen hat ihn zu entsorgen.
Oder der Halter ist selbst im Unterholz, weil gerade es gerade Pilzzeit ist...
Einfach mal genau überlegen und mal genau hinschauen, soviel Mühe macht das doch nun wirklich nicht!

Gruß eggi


» User #10151 schrieb:

Hm, wir haben eine Jägerin hier im Forum bzw. hauptsächlich im Pferdeforum - Sib. Ich meine mich zu erinnern, dass sie mal was geschrieben hat, die Gesetzgebung hätte sich da mittlerweile geändert und dass Jäger selbst wildernde Hunde nicht mehr so einfach abschiessen dürften, es sei denn, es handelt sich um bekannte Streuner und "Wiederholungstäter"...?!? Hintergrund war, wenn ich mich recht erinnere - ist schon ne ganze Weile her -, dass die Gesetzgebung mittlerweile anerkennt, dass der rein rechnerische "Wert" eines Hundes in der Regel höher anzusetzen ist als der beispielsweise eines Rehs.

Naja, wie auch immer - Gesetzgebung hin oder her, ich bin da auch lieber übervorsichtig. Erstens will ich ja nicht, dass mein Hund evtl. tatsächlich Wild reisst, zweitens bringt es mir hinterher im Zweifelsfall wenig, dem Jäger zu erklären, dass er meinen Hund jetzt eigentlich aber gar nicht erschiessen hätte dürfen... icon_eek.gif


» User #15994 schrieb:

Offensichtlich scheint es keine bundesweit einheitliche Regelung zu geben, was das Jagen betrifft. Auch von Jägerverbänden liest man, daß die Jäger angehalten sind, nicht gleich auf jedes Tier zu schießen. Letztendlich hängt es aber, wie hier auch schon gesagt wurde, von der Gunst des Jägers ab, ob er abdrückt oder nicht.

Ich habe eine eMail an die hiesige Stadtverwaltung abgeschickt, weil meine Frau mich auch öfter mit diesem Thema in Panik versetzt à la "der Hund muß immer bei uns bleiben, sonst wird er womöglich abgeknallt". Mittlerweile nervt mich das ein wenig, weil ich das Gefühl habe, daß unsere Hunde lediglich einen etwas größeren Bogen flitzen wollen, sie aber immer wieder zurückgerufen werden (und in 95% aller Fälle auch hören).


» User #13286 schrieb:

Die Sorge Deiner Frau ist leider nicht unberechtigt. Hier wurde nämlich kürzlich ein Hund erschossen (Anfang September, also NACH der Zeit der Leinenpflicht, die hier ja nur bis 15.7. geht), obwohl eine Begleitperson in SO unmittelbarer Nähe dabei war, dass diese auch sich selbst gefährdet sah durch den Schuss (diese Person war anscheinend nur durch ein Gebüsch kurzfristig verdeckt und der Jäger hatte deshalb nur den Hund, nicht aber die Begleitung gesehen). Es wurde Anzeige gemacht (wegen der PERSONENgefährdung, denn "nur" wegen dem Hund wäre eine Anzeige vermutlich aussichtslos) und das Verfahren läuft, aber den Hund bekommt die Familie damit nicht zurück icon_heul.gif

Der Vorfall hat hier die Gemüter sehr erhitzt und daher fragen auch Viele, wie die Rechtslage nun EXAKT ist. Nicht jeder Jäger scheint in die von eggi skizzierte Kategorie zu fallen, und die Hundebesitzer (auch von nicht-wildernden Hunden, die nur mal rumtoben wollen) haben Angst, sind unsicher, ob sie entweder ihre Hunde niiiieee mehr von der Leine lassen dürfen oder eben riskieren, dass ihr Hund das bisschen Freiheit teuer bezahlen muss.


» User #15994 schrieb:

Solche Geschichten sind natürlich tragisch, und wenn's mich betroffen hätte, würde ich wohl auch mit aller Macht gegen den Schützen vorgehen. So etwas kann nicht angehen icon_mad.gif

Ich warte auf die Rückmeldung vom Amt & werde dann berichten. Kann allerdings noch etwas dauern, da der Amtsschimmel etwas träge ist. Hoffentlich gibt sie auch regionsübergreifend Klarheit, denn wenn jeder Bezirk seine eigenen Brötchen backt, kann man kaum Erkenntnisse übertragen. icon_rolleyes.gif


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