Haustiere

Hundeabschuss per Jagdgesetz

» User #15994 schrieb:

Heureka!
Habe soeben eine eMail erhalten. Ich zitiere mal:

Stadt Offenbach hat folgendes geschrieben::

Sehr geehrter Herr [Name wegen Datenschutz entfernt],

nach § 23 Abs. 7 des Hessischen Jagdgesetzes ist es verboten, Hunde und Katzen in einem Jagdbezirk unbeaufsichtigt laufen zu lassen.

Der § 32 des Hessischen Jagdgesetzes (HJagdG) behandelt die Befugnisse von Jagdschutz- und Jagdausübungsberechtigten, darin ist auch der Umgang mit freilaufenden Hunden geregelt. Das Hessische Jagdgesetz basiert auf dem Bundesjagdgesetz und gilt in ganz Hessen.

§ 32 Abs. 1: Die zur Ausübung des Jagdschutzes nach § 25 Abs. 1 Bundesjagdgesetz Berechtigten sind befugt,
1. Personen, die in einem Jagdbezirk unberechtigt jagen oder eine sonstige Zuwiderhandlung gegen jagdrechtliche Vorschriften begehen oder außerhalb der zum allgemeinen Gebrauch bestimmten Wege zur Jagd ausgerüstet angetroffen werden, anzuhalten, ihnen gefangenes und erlegtes Wild, Abwurfstangen, Eier und Waffen, zur Jagd taugliche Geräte oder zur Jagd abgerichtete oder geeignete Tiere abzunehmen und ihre Personalien festzustellen,
2. Hunde, die im Jagdbezirk außerhalb der Einwirkung von Begleitpersonen Wild nachstellen, und Katzen, die in einer Entfernung von mehr als 500 Meter, im Zeiraum vom 1. März bis 31. August in einer Entfernung von mehr als 300 Meter von der nächsten Ansiedlung jagend angetroffen werden, zu töten. Die Tötung muß unterbleiben, wenn andere Maßnahmen ausreichen, um die Gefahr abzuwehren, die von dem Hund oder der Katze ausgeht. Das Tötungsrecht gilt nicht für Hirten-, Jagd-, Blinden-, Polizei- und Rettungshunde. Hunde und Katzen, die sich in Fanggeräten gefangen haben, sind als Fundtiere zu behandeln.

§ 32 (2) Jagdausübungsberechtigte können auch Jagdgästen den Abschuß von Hunden und katzen nach Maßgabe des Abs. 1 Nr. 2 erlauben. Die Erlaubnis ist schriftlich zu erteilen; die Jagdgäste müssen sie bei Ausübung der Jagd mit sich führen.

§ 32 (3) Für einen in einem Jagdbezirk getöteten Hund oder für eine dort getötete Katze kann Schadensersatz verlangt werden, wenn die Anspruchgsberechtigten nachweisen, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Zulässigkeit der Tötung nicht gegeben waren.

Kommentar: Die Eingrenzung der Befugnis zur Tötung nur von Wild nachstellenden Hunden und jagenden Katzen ist aus Gründen des Tierschutzes und der Tierethik geboten. Verboten ist das Töten dieser Tiere dann, wenn andere Maßnahmen ausreichen, um die Gefahr von den gehetzten bzw. gejagten Wildtieren abzuwenden. Es dürfen auch keine Hunde getötet werden, die körperlich nicht in der Lage sind, gehetztes Wild zu gefährden.

Bei allen Waldgebieten, die zur Stadt Offenbach gehören, einschließlich dem Stadtwald handelt es sich um Jagdbezirke.


Mit freundlichen Grüßen

[Name wegen Datenschutz entfernt]


Finde ich sehr aufschlußreich.

Töten ist also als allerletztes Mittel erlaubt, wenn keine weiteren Maßnahmen fruchten (wozu man meiner Meinung auch Warnschüsse zählen könnte). Und die Jäger sind angehalten, nicht gleich auf alles zu schießen, was danach aussieht, als dürfte man es erlegen. Allerdings kenne ich auch einen Jäger (bei dem ich mir mal ne Wohnung angeschaut habe), dessen verstorbene Frau sogar Katzen bewußt erschossen hat, wenn ihr eine vor die Flinte kam icon_confused.gif


» User #12036 schrieb:

Zitat:
Töten ist also als allerletztes Mittel erlaubt, wenn keine weiteren Maßnahmen fruchten


Wer entscheidet denn letztendlich ob irgendwelche Maßnahmen gefruchtet haben und wer überprüft ob überhaupt solche stattgefunden haben?

Sorry Vangrunz, aber daß was für dich so aufschlußreich ist, bezeichne ich als reine Auslegungssache und somit der Willkür der Jäger unterliegend. icon_cry.gif

LG Martina


» User #12972 schrieb:

Hallo Martina,
so sehe ich es auch, den wenn ein Jäger abknallt ist doch so, dass außer der Halter kein anderer Zeuge da ist.
Allerdings kommt es wirklich selten vor, dass ein Jäger zu dieser Maßnahme greift, jedenfalls hier.
Gruß eggi


» User #16141 schrieb:

Hallo,
mit welchem Recht knallt ein Mensch evtl. meinen Hund ab? Ein Warnschuß würde in den meisten Fällen schon hilfreich sein und empfindliche Geldstrafen gegenüber dem Halter, wenn der Hund erfolgreich bei der "Jagd" war sowieso. Da dürfte aber auch nichts unklar dabei sein.
Wenn ich daran denke was Duke immer los lässt - der rennt 5 Meter weg ins Unterholz, läuft einen Bogen und kommt wieder zu mir.
Und meine Meinung ist auch diese,wenn ein Hund erfolgreich war, dann handelt es sich doch sowieso um ein krankes oder schwaches Tier - was im Endeffekt ja vom Jäger dann selbst aussortiert würde. Da würde eine Geldstrafe ausreichend sein.
Klar wilderende Hunde kann man nicht akzeptieren, aber gleich abschießen?
Finde ich persönlich als reichlich übertrieben.

Wie Martina schon schrieb:
es liegt im Ermessen des Jägers und hier fängt es doch schon wieder an in eine Grauzone zu verschwinden.
Was dem ganzen Gesetzt einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.
Gruß Kerstin


» User #15994 schrieb:

Morendis hat folgendes geschrieben::
Wer entscheidet denn letztendlich ob irgendwelche Maßnahmen gefruchtet haben und wer überprüft ob überhaupt solche stattgefunden haben?

Sorry Vangrunz, aber daß was für dich so aufschlußreich ist, bezeichne ich als reine Auslegungssache und somit der Willkür der Jäger unterliegend. icon_cry.gif


Sicherlich handelt es sich um Individualfälle, aber das Aufschlußreiche bezieht sich für mich auf die Rechtsgrundlage. Ich habe nun etwas, worauf ich mich beziehen kann -- sogar etwas Offizielles. Das werde ich auch tun, sollte es wider Erwarten zu einer solchen Auseinandersetzung kommen. Da schon von Amtes wegen die Jäger offiziell zur Zurückhaltung bewogen werden, dürften sie in Erklärungsnöte kommen, wenn tatsächlich mal ein Hund abgeschossen wird. Langfristig könnte man auf diese Weise erreichen, daß die Abschußrate zurückgeht, wenn man solchen Jägern ordentlich Dampf unterm Kessel macht! icon_twisted.gif

Die Tendenz dürfte also klar sein. Deswegen die Flinte gleich ins Korn zu werfen halte ich für übertrieben. icon_wink.gif


» User #13286 schrieb:

vangrunz hat folgendes geschrieben::
...Da schon von Amtes wegen die Jäger offiziell zur Zurückhaltung bewogen werden, dürften sie in Erklärungsnöte kommen, wenn tatsächlich mal ein Hund abgeschossen wird...


Ich glaub nicht, dass die Erklärungsverlegenheit denen schlaflose Nächte bereitet, denn solange die Rechtslage nicht EINDEUTIG KLIPP UD KLAR zugunsten des Hundes ist, sitzen die im Zweifelsfalle immer am längeren Hebel! Und was nützt es mir, wenn ein Jäger wegen Rechtfertigungserklärung ins Schwitzen kommt oder er "sogar" Schadensersatz zahlen muss für meinen Hund? Damit krieg ich meinen Hund nicht wieder! (Wobei "Schadensersatz" armseelige 200 Euro wären für einen TH-Hund. Schmerzensgeld für den Verlust eines Familienmitgliedes bekommt man ja wohl nicht erstattet. Und selbst wenn - das wäre für mich auch kein Trost.)

Im übrigen bin ich voll der Meinung Erdmaenchens : WENN der Hund echt Wild gerissen hat, lasst dann den Halter den Schaden bezahlen und gut ist. Wenn mein Hund in 'ner Schafherde wüten würde und Schafe reissen oder verletzen würde, muss ich doch wohl auch "nur" die Schafe bezahlen (wobei ich es auch okay fände, wenn über den reinen "Nutzwert" eines Schafes hinaus ein "Schmerzensgeld" zuerkannt wird, denn die Schafe hinter'm Haus sind oft auch geliebte Hobbytiere) und wird mein Hund nicht gleich standrechtlich exekutiert, oder?


» User #15994 schrieb:

Wenn Du wirklich ausschließen willst, daß der Jäger Deinen Hund umbringt, weil er vielleicht tatsächlich mal Wild jagt oder reißt (ich lege für meine Hunde nicht die Hand ins Feuer) -- was er wohlgemerkt in einer solchen Situation darf, solltest Du ihn auf ein Bier einladen und das im persönlichen Gespräch klären.

Drüber schimpfen kann Jeder, und ich bin froh, daß ich etwas Klarheit in diese Sache gebracht habe, anstatt wilden Spekulationen zu folgen, aber ich will nicht der Buh-Mann sein, weil die Gesetze nicht den Wünschen der Leute entsprechen (wenn wir schon dabei sind: Ich will, daß jeder Politiker per Gesetz verboten kriegt, in irgendwelchen Aufsichtsräten kontra Sozialstaat zu arbeiten).

Ich kann mich damit arrangieren, und bis jetzt habe ich noch nichts von Jägern in unserem Wald gesehen, aber ich sowie meine Frau wissen, daß bzw. wo es Rehe & Füchse gibt. An diesen Orten sind wir deswegen besonders wachsam.

Auf deutsch:
Wenn ich meinen Hund größere Kreise ziehen lasse, anstatt ihn zurückzurufen, dann muß ich eben mit dem Risiko anfreunden, daß der Jäger das Gewehr anlegen darf.

Und wenn es Jäger gibt, die geradewegs schießwütig daher kommen, dann muß man sie in die Schranken verweisen.

Es geht eben nicht anders. Man kann Mißbrauch niemals vorbeugen, weder von Seiten der Jäger noch von Seiten unreifer Hundehalter. Und das ist jetzt allgemein gehalten & nicht auf Dich gemünzt. icon_cool.gif


» User #12972 schrieb:

Hallo,
seit wann sind Gesetze klar?
Es sind Regeln - in den wesentlichen Punkten stimme ich Dir zu, aber was bringt mir das, wenn ich den Jäger auf Schmerzensgeld verklage?
Ok, wenn ich gewinne, überlegt er sich beim 2. Hund zweimal bevor er zur Flinte greift und losballert, aber ansonsten. Toter Hund bleibt toter Hund.
Der idelle Wert nicht bezahlbar.

Ein Hund kann gar kein gesundes und putzt munderes Reh wildern, da muss schon ein zweiter dabei sein - aber selbst dann ist das Reh nicht gesund und würde durch den Jäger selbst zum Abschuß freigegeben werden.
Wo liegt jetzt da die Logik. Auge um Auge.
Böser Hund hast Reh totgebissen also erschieß ich Dich, weil Du mir zuvor gekommen bist?

Und was ist mit den Katzenbesitzern, sollen die jetzt ihre Katzen verbieten in den Wald zu stiefeln?

Früher hat man das mal natürliche Auslese genannt - jetzt nennt man das Wildern.

Wie Kerstin schon schrieb:
Mit welchen Recht ballert ein anderer, meinen Hund ab?
Ich red jetzt nicht davon, dass der Hund Erfolg hatte und ich mich aus der Verantwortung ziehen will, sondern dass es im Ermessen des Jägers liegt.

Ich finde es einfach sehr übertrieben.
Halter in die Verantwortung nehmen, Hund absofort in Waldgebieten an die Schleppleine.
Naja, ich bin jedenfalls noch keinen grünen Ballermann begegnet, die waren immer freundlich und warnten mich vor Reh bzw. Wildschweinbegegnungen.

Gruß eggi


» User #16141 schrieb:

Hallo,
ich finde es schon wichtig, dass man solche Gesetze zur Hand hat, aber da steht ja nun wirklich im Ermessen des Jägers und hier ist doch schon wieder der Fallstrick gelegt.
Unverantwortliche Hundehalter sind auch durch Gesetze und durch den evtl. Abschuß ihres Hundes auch nicht wirklich zur Vernunft zu bringen - so meine Erfahrungen, das schreckt diese nicht wirklich.
Sie sind eben unverantwortlich und dürften in meinen Augen keine Hunde halten.
Aber auch hier könnte man doch sagen, ok, Du hast als Halter in jeglicher Hinsicht versagt, also nehmen wir den Hund Dir weg und Du bezahlst den Schaden aus Deiner eigenen Tasche und nicht über die Haftpflichtversicherung Deines Hundes.

Ich finde es ungerechtfertigt, einen Hund zu erschießen - jedenfalls bei dieser Thematik.

Größere Kreise ziehen - der Hund muss in Sicht- und Rufweite des Halters sein.

Gruß Kerstin


» User #15994 schrieb:

Erdmaenchen hat folgendes geschrieben::
Ich finde es ungerechtfertigt, einen Hund zu erschießen - jedenfalls bei dieser Thematik.


Ihr habt Beide Recht, Du & eggi.

Ich halte es auch für fragwürdig, in Euren Szenarien den Hund zu erschießen, aber gerade die 300 Meter Umkreis kommen nicht von ungefähr, denn Nachwuchs ist nunmal nicht gesund & kräfitg. Mit anderen Worten: Jeder hat seine Sichtweise, und ich bin mir sicher, daß auch dieses Gesetz irgendwo eine nachvollziehbare Begründung hatte, wenngleich die vielleicht mit den heutigen Werten nicht mehr unbedingt vereinbar ist. Das kann ich aber mangels Erfahrung nicht beurteilen.

Zitat:
Größere Kreise ziehen - der Hund muss in Sicht- und Rufweite des Halters sein.


Das steht wo? Ich las nur von einer maximalen Entfernung zwischen 300 & 500 Metern, je nach Jahreszeit. Selbiges gilt auch für Katzen: Wenn man sie nicht beaufsichtigt, darf man sie in einem Jagdbezirk nicht frei laufen lassen. Oder man holt sich eine Sondergenehmigung. Wir sind beispielsweise schon in der Stadt am Überlegen, ob wir nicht Glöckchen holen, weil sie uns schon des Öfteren "Geschenke" mitgebracht haben... icon_rolleyes.gif


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