Haustiere

Gibt es Dominanz beim Hund?

» User #18180 schrieb:

Hallo zusammen,

auch wenn dieser Blog teilweise schon älter ist, hab ich ihn mit grossem Interesse gelesen. Und dabei sind mir zwei Dinge aufgefallen:

Erstens übersehen fast alle, dass Hunde zwar abstammungsmässig mit den Wölfen verwandt sind (nicht direkt abstammen!) und zweitens seit Jahrtausenden bereits domestiziert sind. Und da verändert sich das Erbgut durchaus schneller als in menschlich unbeeinflusster Umgebung (Eine Erkenntnis, die u.a. bereits Konrad Lorenz hatte). Wolfsstudien sind also hilfreich, aber erklären sicher nicht das heutige Hundeverhalten. Damit ist das Gefasele von den Alpha-Rüden schon mal nicht mehr so zwingend. Und die Mensch-Hund-Beziehung ist neben der Hund-Hund-Beziehung sehr bedeutsam, sonst gäbe es die ganze Domestizierung nicht. Da wir beide als Arten im Sozialverband leben, ist für die Funktionsfähigkeit Vertrauen und Verlässlichkeit genauso wichtig wie Dominanz im Sinne klarer menschlicher Anweisungen - auf die Hund wiederum vertrauen kann. Ebenso wie das Verstehen der Signale meines Hundes, damit auch ich ihm vertrauen und ihn leiten kann.
Dazu gehört natürlich das Lernen durch Bestätigung und manchmal das Abstrafen, wenn gelerntes und erwartetes Verhalten nicht funktioniert. Wobei ersteres für das Lernen unerlässlich ist und zweites der (vorausschauenden) Gefahrenabwehr aus menschlicher Sicht(Verkehrsgefahr, Wildern etc.) dienen sollte.

Ob ich dieses Wechselspiel und die vorausschauende Gefahrenabwehr als Dominanz bezeichne, ist mir sch...egal. Wichtig ist für den Hund wie für den Menschen, dass sie sich in diesem Wechselspiel wohl fühlen. Der Militarismus (allein schon die Herkunft des Wortes Unterordnung sagt genug), den ich in den Siebzigern in praktischen allen mir bekannten Schäferhundvereinen kennengelernt habe, hat mir damals schon missfallen und stört mich auch heute noch bei vielen Hundehaltern genauso wie eine mangelhafte Beziehung im Sinne einseitig menschlich orientierter "Überliebung" oder auch Vernachlässigung. (Unsere Rettungshundestaffel übt bisweilen in Nachbarschaft eines VDH-Geländes: Das Geschrei ist noch das gleiche wie vor 40 Jahren!)

Ich habe meine Hunde damals schon auf Flüsterkommandos umgestellt, was mir ungläubige Kommentare der Hundesportler einbrachte (der folgt doch nicht, das funktioniert nie etc.). Bis ich den Hauptausbilder mal mitgenommen habe und meinen Hund auf 200m mit geflüstertem "s s" abgerufen habe. Grosses Staunen ob des guten Gehörs und der "Folgsamkeit". Der Weg dorthin ging ohne Schimpfen über Bindung und Motivation. Meine Hunde haben mir damals noch ohne Gewehr und später auch mit Gewehr mehr Rehe und andere Tiere gezeigt, als die meisten Jäger je zu Gesicht bekommen, weil wir uns eben verständigt haben und Vertrauen hatten und haben. Und wenn mein Hund frei läuft und um die Ecke ist, schaue ich, wo er ist und umgekehrt sucht er mich, wenn er mich nicht sieht, weil ich mich versteckt habe. Wer ist da dominant? Und wenn ich vor ihm aus der Tür gehe, dann weil draussen Autos fahren und ich die Lage peilen will. Hund wartet inzwischen problemlos und kommt hinter mir her. Jetzt hat er auch den Befehl "hinten" gelernt. Praktisch in engen Durchgängen oder auf schmalen Brücken. Gelernt über Leckerli und das entsprechende Kommando innerhalb weniger Stunden. Ist das Dominanz? Dominant werde ich, wenn er ein Kommando nicht befolgt, das er kennt. Dann kann ich ihn nur leise anknurren aber auch ganz schön rüffeln, je nach dem, wie er sich verhält. Ich will ihn ja trotz Strassenverkehr und schiesswütiger Jägerkollegen noch länger gesund haben.

Aber um das zu lernen, brauche ich keine rüden Methoden oder gar Folterinstrumente. Ich hab auch schon über ein Sprühhalsband fürs Antijagdtraining nachgedacht icon_redface.gif und habe schnell gelernt, dass das auch ohne geht. Die Schleppleine und ein sensibles Lesen des Hundes reicht da durchaus. Da steckt natürlich auch Dominanz dahinter, denn ich will ja nicht, dass mein Kumpel jagt. Aber er jagt nicht weil er dominant ist, sondern weil das sein angeborenes Verhalten ist. Aber er hat mit 12 Monaten natürlich probiert, ob er meine Autorität in Frage stellen kann - normal in der Pubertät. Bei unseren Kindern mögen wir Eltern das auch nicht und es passiert trotzdem. So unähnlich sind sich Hunde und Menschen eben doch nicht.

Liebe Grüsse von Labitrail


» User #20196 schrieb:

Was mich an der ganzen Dominanzdiskussion stört ist, dass Dominanz immer gleich mit Gewalt gleichgesetzt wird.

Domananz bedeutet - schon vom Wort her - "beherrschen".
Das geht auch eindeutig OHNE Gewalt.


In diesem Sinne werden nämlich ganz viele - auch menschliche - Beziehungen geregelt. Angeblich so "schwache" Frauen sind ganz schön dominant, weil sie ihr Gegenüber so zu manipulieren wissen, dass er ihnen folgt. DAS ist DOMINAnz icon_wink.gif

Mal Spaß beiseite:
Selbstverständlich gibt es Dominanz unter Hunden. Aber diese Dominanz läuft im EIGENEN RUDEL ganz ohne Rangkämpfe ab. Die Kämpfe werden vermieden (genau wie bei den Menschenaffen), indem bestimmte Rituale diese ersetzen.
Trotzdem gibt es dominante Tiere und entsprechend untergeordnete Tiere.
Wenn fremde Tiere (also FREMDE Hunde sich begegnen) werden in der Regel, aber eben halt nicht immer, derartige Rangordnungskämpfe vermieden. Diese Rituale kennen wir Hundebesitzer alle)

Hund leben in einer Rangordnung. Und Rangordnung setzt Dominanz voraus.
Eine ganz andere Frage ist, WIE diese durchgesetzt und geregelt wird.


» User #15161 schrieb:

...ohne Kämpfe im eigenen Rudel?
Ich habe da aber andere Erfahrungen,ganz besonders bei Hündinnen-Rudel.Da werden in ungewissen Abständen immer mal wieder die Positionen gewechselt,was nicht ohne heftige Streitereien abgeht.
Und bei meinem Rüde-Hündin-Rudel gibt es auch Tage,wo "Er" mal das Sagen hat,das"Sie" ihm aber durch gezielte
Nackenbisse und Pfote auflegen ganz schnell wieder abgewöhnt.icon_wink.gif

LG Gin


» User #12972 schrieb:

Hallo,
dem Beitrag von Gin kann ich nur unterschreiben.
Gruß eggi


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