Haustiere

Gibt es Dominanz beim Hund?

» User #1199 schrieb:

Hi!
Ich weiss ja nicht ob das was mit Dominanz zu tun hat aber das ist meine Frage:

Jeden Abend treffen wir uns immer mit ca. 6-7 Hunden zum Spielen auf einer grossen Wiese, alle zwischen 4 monaten und 2 1/2 Jahren alt, immer die selben Hunde.
Gestern ist ein neuer dazu gestossen, ein schöner Labrador, jetzt schon mit 7 monaten ein recht imposanter Rüde. Er ist gut verträglich und spielt, wenn auch wild, mit allen.
Ein anderer Hund aus unserer Gruppe, der die ganze zeit schon dabei ist, 10 monate alt, hat aber wirklich 2 stunden lang versucht den "neuen" zu besteigen, er hat ihn nicht in ruhe gelassen, auch wenn er mit einem anderen gespielt hat.
War das Dominanz? musste der neue erstmal unter gebuttert werden? Warum hat er das wohl gemacht?
Würde mich freuen wenn mir jemand darüber Aufschluss geben könnte.
LG**


» User #1365 schrieb:

Hi Anyanka,
warum genau das so passiert ist kann ich Dir nicht sagen. Ich denke mal es war so eine Art Kräftemessen. Jedoch kann ich Dir sagen, dass es falsch war einen Rüden 2 Stunden nicht am Aufsteigen zu hindern. Wie muss sich der andere Rüde vorgekommen sein. Dies war bestimmt kein so erfreuliches Erlebnis für Ihn.

Gruß Adrian


» User #1199 schrieb:

Oh, das Frauchen hat ihn durchaus versucht daran zu hindern, immer wieder runtergezogen, geschumpfen, aber es half nichts, ihr hund war wie von sinnen...
mittlerweile hat sich übrigends der spiess umgedreht, und der andere versucht es jetzt ständig bei ihm.
ich weiss auch nicht was ich davon halten soll, hoffe mal das gibt sich wenn die sich besser kennen
LG**


» User #107 schrieb:

Wie auch der Wolf ist der Hund ein soziales Lebewesen. Er ist ein Rudeltier. Und in einem Wolfsrudel herrscht ein nahezu fanatischer Drang zur Loyalität den anderen Rudelmitgliedern gegenüber. Denn nur gemeinsam sind sie stark und gemeinsam können sie überleben. Und alle Rudelmitglieder ordnen sich in strenger Hierachie denen unter, die sie zu ihren Leitfiguren erkoren haben. Also ist nicht der Leitwolf der selbsternannte körperlich Stärkste, der die
schwächeren Rudelmitglieder dominiert, sondern man hat die dominierendste Persönlichkeit ausgehandelt. Und unter deren Obhut fühlen sich die Rudelmitglieder wohl und sicher. Genauso, wie sich umgekehrt der Leitwolf in seiner anerkannt leitenden Position wohl und sicher fühlt.
Das bedeutet, daß jedes Tier in diesem Rudel genau wissen will, wo sein Platz ist. Es will wissen, ob es dasjenige Tier ist, das leitet oder sich leiten läßt. Und jedes Tier erhält seinen sinnvollen Platz innerhalb des Wolfsrudels, der seinem Charaktere entspricht, wobei hier aber, anders als bei menschlichen Hierachien, keine Wertung verbunden ist.
Und da der Hund auch ein Rudeltier ist, will und muß er auch wissen, welche Position er in seinem Rudel einnimmt. Er braucht diesbezüglich klarste Verhältnisse, ohne die er unsicher, ängstlich, aggressiv und schwer bis nicht erziehbar ist.

Nahezu alle Probleme mit Hunden haben ihre Ursache in ungeklärten Dominanzverhältnissen.

Ein Hund benötigt um sich wohl zu fühlen eine absolute Ordnung, eine Leitfigur. Anderfalls wird ER die Initiative ergreifen und SEINERSEITS die Führung übernehmen.
Dominantes Verhalten bei Hunden ist keine Frage der körperlichen Kraft und Größe. Hier spielen Erfahrung und Einstellung eine Rolle. Es gibt nur entweder das eine oder das andere. In dieser Hinsicht, und das muß man wissen, kann kein Hund aus seiner Haut. Demzufolge ist es völlig natürlich, daß Hunde immer wieder ausprobieren, wer denn nun das Sagen hat.
Und eins muß man auch ganz klar sagen:
In entscheidenden Punkten ist uns der Hund glatt überlegen. Denn obwohl er nicht ein Wort versteht, oder gerade weil er den Sinn unserer langen Reden nicht begreift, kennt er uns besser als wir uns kennen. Denn weil er uns nicht versteht fängt er an uns ganz genau zu beobachten, denn er möchte alles von uns wissen.
Einen Hund zu belügen ist unmöglich! Denn unsere Körpersprache verrät uns. Unsere Bewegungen, die Körperhaltung, der Ton unserer Stimme, der Gesichtsausdruck. Er weiß wann wir müde, traurig, fröhlich, verärgert sind. Er weiß alles von uns, aber er weiß nicht, warum wir so sind.
Vor allem aber kennt der Hund unserer Stärken und Schwächen, unsere Autorität und Inkonsequenz, unsere Gutmütigkeit und Bequemlichkeit. Und das nutzt er meisterlich für sich aus. Allerdings weiß er auch ganz genau, wann es nichts zu holen gibt.
Somit ist klar, daß die >>Waffen<< des Hundes, die er gegen uns benutzt, nicht seine Körperkraft, Schnelligkeit oder andere Formen der Gewalt sind, sondern sein Verstand, eben sein ureigenster Instinkt.
Gewaltanwendungen und Zerstörungswut sind erst Folgeerscheinungen zahlreicher vorangegangener, erfolgloser Versuche, die für ihn chaotische Situation zu klären.
Und aus diesem Grunde scheitern so viele Versuche einen Hund zu erziehen. Denn man bedenkt häufig nicht, daß ein Hund, außer den an ihn gerichteten Befehlen, auch jede Menge anderer Signale erhält und zu verarbeiten versucht.
Weil an der Zuneigung und Zugehörigkeit eines Hundes zu seinem Herrn gerade ihre Bedingungslosigkeit besticht, wird dabei irrtümlicherweise leicht eine Bedingungslosigkeit des Hundes angenommen. Aber ein Hund begnügt sich nicht von vornherein damit das Schlusslicht in der Hierachie zu sein. In dem Augenblick, in dem er die Pfote über die Türschwelle gesetzt hat, beginnt er damit ein Hierachiegefüge innerhalb des Rudels zu erkennen oder selbst zu bilden. Wenn ihm hier nicht von Beginn an eine feste Position zugewiesen wird, ist dies für ihn ein chaotischer Zustand und er bemüht sich seinerseits Ordnung herzustellen. Ist aus seiner Sicht kein Oberhaupt zu erkennen, wird er sich selbst bemühen, eine relativ hohe Rangstufe einzunehmen. Genauso, wie er es bei arteigenen Rudeln täte, da er nicht anders kann.

Charly


» User #1365 schrieb:

@ Charli,
aus Spass-mit-hund:
Werfen wir zunächst einen Blick ins Wolfsrudel, dessen Strukturen gerne als Erklärungsmuster für das Verhalten unserer Vierbeiner heran gezogen werden - ganz besonders, wenn es um "Rangordnung" und "Dominanz" geht.
Was man bisher glaubte
Bestimmt kennen Sie die Geschichte von der dominanten Alphahündin und dem dominanten Alpharüden, die gemeinsam das Rudel anführen? Das Leben im Rudel ist hart. Gewonnene Ränge müssen ständig gegenüber Konkurrenten aus den eigenen Reihen verteidigt werden. Mit anderen Worten: Jeder im Rudel will nach oben kommen - und wer etwas sein will, muss den anderen stets seine Vormachtstellung und Dominanz demonstrieren. Das zumindest ist - vereinfachend gesagt - die Vorstellung, die wir Menschen bislang von den Geschehnissen im Wolfsrudel hatten, und die wir entsprechend auf unsere Hunde als "Erben der Wölfe" im Zusammenleben mit uns übertragen haben.
Wölfe in Freiheit sind anders!
Aber: Wir können das getrost vergessen! Die ganze Sache hat nämlich einen Haken: Die Beobachtungen, aus denen diese Erkenntnisse hervor gingen, sind an Wölfen gemacht worden, die in Gefangenschaft lebten: in Gruppen, die in beengten Verhältnissen leben mussten, die häufig unter Futterknappheit litten und die vom Menschen zusammen gesetzt worden sind. Keine guten Voraussetzungen für eine friedliche Wohngemeinschaft. Dass Stresslevel und Aggressionsniveau entsprechend hoch waren, muss nicht verwundern. Kaum zu glauben, aber wahr: In frei lebenden Rudeln sieht das ganz anders aus.
Die neuen Wolfsbeobachtungen: Ein ganz anderes Bild
Die Verbreitung neuerer Erkenntnisse über das Zusammenleben von Wölfen verdanken wir vor allem dem Amerikaner David Mech. Was er in jahrelanger Forschungsarbeit heraus fand:
Wolfsrudel in Freiheit bestehen stets aus Familienverbänden, mit Wolfseltern und ihrem Nachwuchs in verschiedenen Altersstufen. Und genau so wie in einer Familie geht es in diesen Rudeln auch zu: Die "Leitwölfin" und der "Leitwolf" sind keinesfalls strenge Autoritäten, die ihren Rang gegenüber der Konkurrenz verteidigen, sondern nichts anderes als liebevolle und fürsorgliche Eltern.
Das Zusammenleben im Wolfsrudel ist eine sehr friedliche Sache: Der Nachwuchs hat quasi Narrenfreiheit und genießt vielfältigste Privilegien: Die jungen Wölfe dürfen wild spielen, ohne zurecht gewiesen zu werden. Sie dürfen zu den Erwachsenen gehen und um Futter betteln. Diese akzeptieren das und würgen teilweise sogar Futter wieder hervor, wenn sie dazu aufgefordert werden. Übrigens zeigten sogar Beobachtung in einem schlecht gehaltenen Wolfsrudel in Gefangenschaft, dass selbst in Zeiten von Futternot die erfahrensten, älteren Tiere ihren Nachkommen Futter abgeben. Sogar erwachsene Nachkommen werden im Notfall noch von den Wolfseltern versorgt. Ranghoch zu sein, hat also in erster Linie etwas damit zu tun, sich um das Wohlergehen der Rudelmitglieder zu kümmern.
Zurechtweisungen kommen im Wolfsrudel sehr selten vor. Nur im Ausnahmefall werden dem Nachwuchs die Grenzen gezeigt - und wenn, dann geschieht dies völlig gewaltfrei und so gut wie ohne Körperkontakt. Falls eine Zurechtweisung nötig ist, knurrt das Elterntier. In aller Regel reicht das aus. Wirkt das wider Erwarten nicht, öffnet der erwachsene Wolf den Fang, legt ihn ganz leicht über den Fang des Wolfskindes und drückt ihn leicht nach unten. Dies alles ist völlig schmerzlos und gewaltlos und die einzige - und darüber hinaus äußerst seltene - Art, wie Wölfe ihre Nachkommen korrigieren.
Wenn sich ein Wolf einem anderen unterwirft, tut er das freiwillig. Erzwungen wird eine Unterwerfung im Rudelalltag nicht. Freiwillige Unterwerfungsgesten fördern den freundlichen Umgang miteinander und bestehen häufig aus dem Lecken der Schnauze des anderen Tieres (was übrigens häufig im Zusammenhang mit Futterbetteln auftritt und vom anderen Tier dadurch beantwortet wird, dass es Futter hervorwürgt) oder dem sich auf die Seite oder auf den Rücken Drehen, damit das andere Tier an den Genitalien oder in der Leistengegend schnuppern kann.
Insgesamt sind Wölfe Meister im Konfliktlösen. Sie vermeiden Auseinandersetzungen, wann immer es geht. Ernstkämpfe sind die absolute Ausnahme. David Mech hat innerhalb von 13 Jahren Wolfsbeobachtungen auf dem Kanadischen Ellesmere Island keinerlei Dominanzstreitigkeiten mit anderen Wölfen beobachtet.
Übrigens: Kein Anführer eines Wolfsrudels kann seine Schutzbefohlenen zu etwas zwingen. Kooperation geschieht freiwillig, "Gehorsam" spielt im Wolfsrudel keine Rolle.


Und was bedeutet das alles nun für das Zusammenleben mit unseren Hunden?
Ganz abgesehen davon, dass es höchst umstritten und unwahrscheinlich ist, dass Hunde uns Menschen überhaupt in irgendeine Art von Rangordnung einbeziehen (wir sind schließlich Menschen und keine Caniden!), sollten wir folgendes im Hinterkopf behalten, wenn wir an das Zusammenleben mit unseren Hunden denken:
• Es gibt im Rudel keine heftigst verteidigte und ständig umkämpfte Rangordnung, sondern eine Familienstruktur!

• Die Rudelführer sind Eltern und zeichnen sich durch große Toleranz, Freundlichkeit und Fürsorglichkeit gegenüber ihren Schützlingen aus. Ihr Hauptanliegen ist es, ihnen Schutz zu bieten und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht.

• Ranghohe Tiere sind absolut souverän. Niemals gehen von ihnen unberechenbare Gewaltaktionen aus. Sie bedrohen keine Rudelmitglieder.

• Nur im absoluten Ausnahmefall kommt es zu körperlichen Auseinandersetzungen. Wenn ein Wolf einen anderen angreift, geht es meist um Leben und Tod. Übrigens werden deshalb auch der so genannte "Alphawurf" oder das "Nackenschütteln" als Disziplinierungsmaßnahme in der Hundeerziehung vom Hund als ernsthafte Angriffe auf Leib und Leben, ja sogar Tötungsabsichten, interpretiert ... mit dem Risiko entsprechender Gegenwehr - ganz abgesehen von dem Vertrauensverlust in den anscheinend unberechenbaren Menschen. Unterwerfungsgesten werden im alltäglichen Umgang mit einander immer freiwillig gezeigt und niemals erzwungen.

• "Gehorsam" spielt in einem Wolfsrudel keine Rolle.
Reflektieren wir noch mal: Wenn Sie einen Hund kennen, der sein Futter verteidigt, der Artgenossen attackiert oder gerne im Sofa liegt - glauben Sie immer noch, der Hund ist "dominant" oder "ranghoch"? Und weil er ab und an nicht das tut, was Herrchen oder Frauchen sagt - hat das dann wirklich damit zu tun, dass er ihre "Rudelführerschaft" nicht anerkennt?
Und - mal von der anderen Seite betrachtet: Wenn wir schon davon ausgehen, dass wir in einer rudelähnlichen Lebensgemeinschaft zusammenleben: Sind wir Hundebesitzer so, wie es Rudelführer sein würden? Sind wir stets so ruhig und souverän und bieten unserem uns ausgelieferten Hund immer die Fürsorge und den Schutz, die wir ihm schulden?
Scheint so, als könnten wir von den Wölfen noch eine Menge lernen, um bessere Chefs unseres gemischten Familienverbandes zu werden.

Gruss Adrian


» User #1365 schrieb:

@ Charly;

Charly hat geschrieben:
Wenn das Dominanzverhalten und die Rangordnung also keine so große Rolle spielt, warum funktioniert das dann so gut?
Wenn Du damit die Dominanzregeln meinst, so denke ich, dass es nur deshalb funktioniert, weil Hunde klare Regeln brauchen an die Sie sich halten müssen. Die meisten der Dominanzregeln halte ich für doof.

Charly hat geschrieben:
Und wenn die Rangordnung durch das Verhältnis Elterntier zu Jungtier geregelt wird, wie verhält es sich dann, wenn das Jungtier zum Elterntier wird?
Wenn das Jungtier zum Elterntier wird, muss es zuvor einen neuen Rudel Gründen. Nach den Beobachtungen in freier Natur gibt es nur sehr selten größere Wolfsrudel. Ich denke das sich Jungtiere irgend wann absetzten um Ihr eigenes Rudel zu Gründen.

Charly hat geschrieben:
Und wie verhält es sich, wenn es sich um gleichaltrige Tiere handelt? Wie stehen Sie im Rang zueinander?
In diesem Punkt ist es schwierig für mich zu argumentieren, da nicht alle gleichaltrigen Tiere auch gleich stark sind. Es wird wohl ein Tier geben das am stärksten ist und eines das am schwächsten ist. Da ich aber davon ausgehe, das es sich in einem Rudel um nicht adulte gleichaltrige Tiere handelt, werden sich die Handlungen untereinander hauptsächlich um spielen handeln. Bei diesen spielen wird es dann meiner Meinung nach so sein, das immer mal ein anderer als Gewinner hervor geht. Ähnlich unser Hunde.

All das was ich geschrieben habe sind meine persönlichen Meinungen, die nicht der Tatsache entsprechen müssen, schließlich bin ich kein Wolfsforscher. Was mich einmal interessieren würde ist was Dir von SPIEL-MIT-HUND gemailt wurde. Habe mich mit denen noch nie in Verbindung gesetzt.

Gruß Adrian


» User #107 schrieb:

Hi Adrian,

zuerst einmal möchte ich hier einstellen, was mir SPAß-MIT-DEM-HUND geantwortet hat.
Du wirst feststellen, daß ich die gleichen Fragen gestellt habe, die ich auch Dir gestellt habe.




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Spaß-mit-Hund.de:
Die "Leitwölfin" und der "Leitwolf" sind keinesfalls strenge Autoritäten, die ihren Rang gegenüber der Konkurrenz verteidigen, sondern nichts anderes als liebevolle und fürsorgliche Eltern.

Charly:
Ist logisch. Ein guter Rudelführer zeichnet sich durch Geduld, Fairness, Souveränität und Großherzigkeit aus.




Antwort: Genau.


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Spaß-mit-Hund.de:
Das Zusammenleben im Wolfsrudel ist eine sehr friedliche Sache: Der Nachwuchs hat quasi Narrenfreiheit und genießt vielfältigste Privilegien: Die jungen Wölfe dürfen wild spielen, ohne zurecht gewiesen zu werden.

Charly:
Warum sollten die älteren Wölfe die jungen Wölfe beim spielen zurechtweisen?




Antwort:
Um diesen Satz mal wieder in seinen Zusammenhang zu setzen: Es geht einfach darum, dass frühere Wolfsbeobachtungen im Gehege insgesamt ein
anderes Bild gezeigt haben: Dichtestress, vom Menschen zusammengesetzte Rudel, teilweise Knappheit an Ressourcen - und deshalb insgesamt mehr Gereiztheit, mehr Aggressivität. Wir Hundehalter haben daraus abgeleitet, dass diese streng hierarischen, von Aggressivität und Machtkämpfen bestimmten Rudelstrukturen das sind, was das Zusammenleben mit unseren Hunden bestimmt. Und wenn wir das Zusammenleben erfolgreich gestalten wollen, dann müssen wir darauf achten, dass wir als Alpha unsere Position gegenüber dem aufstrebenden
Rudelmitglied ständig sichern müssen.


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Spaß-mit-Hund.de:
Sie dürfen zu den Erwachsenen gehen und um Futter betteln. Diese akzeptieren das und würgen teilweise sogar Futter wieder hervor, wenn sie dazu aufgefordert werden.

Charly:
Warum sollten sie auch nicht um Futter betteln dürfen?




Antwort:
Du kennst doch sicher noch die alten Hüte der Hunde-Erziehung: Der Alpha isst immer zuerst, der Alpha gibt niemandem etwas ab etc...


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Spaß-mit-Hund.de:
Übrigens zeigten sogar Beobachtung in einem schlecht gehaltenen Wolfsrudel in Gefangenschaft, dass selbst in Zeiten von Futternot die erfahrensten, älteren Tiere ihren Nachkommen Futter abgeben.
Sogar erwachsene Nachkommen werden im Notfall noch von den Wolfseltern versorgt.

Charly:
Ist doch logisch, denn nur in der Gruppe sind sie stark und überlebensfähig.
Keiner frisst alles und der andere nichts.




Antwort:
Genau - da hast du völlig recht. Wurde aber eben lange Zeit so nicht gesehen.




Charly:
Natürlich erfolgen Zurechtweisungen nicht durch Schmerzen und Gewalt. Die Erfahrung und Einstellung spiegelt sich in der Ranghöhe wieder.

Antwort:
...und die Ranghöhe ergibt sich schlichtweg dadurch, dass die Wölfe Nachwuchs bekommen haben. Es sind halt Eltern und Kinder. Ich glaube, das ist schon ein großer Knackpunkt. Das "legendäre" Wolfsrudel wurde häufig als ein kompliziertes Geflecht von Alphas, Betas etc. gesehen, in dem ständig Machtkämpfe um die Führungsposition statt finden. Und das, was man dort beobachtete, übertrug man wiederum auf die Hundewelt. Sprich, wenn ich
meinem Hund klar machen will, dass ich der Boss bin, muss ich mich gegen den ständig nach oben strebenen Vierbeiner "durchsetzen".





Charly:
Wenn es keine erzwungene Unterwerfung im Rudelalltag gibt, gibt es auch keine Zurechtweisungen wie oben beschrieben.

Antwort:
Ich denke, das sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe: Die "Zurechtweisungen", wie Mech sie beobachtet hat, sind im Grunde nichts anderes, als wenn Eltern gegen ihre allzu wild herum tobenden Kinder mal etwas energischer "Jetzt reicht's aber" sagen und das randalierende Kind kurz festhalten. Dann ist die Sache erledigt. Dabei geht's nicht um
Machtausübung oder Rangpositionen etc, sondern einfach darum, dass sich ein Individuum im Moment gestört / genervt etc. fühlt.

Was aber eben nicht vorkommt, ist die Geschichte, die häufig im Umgang mit dem Hund vertreten wird: "Wenn dein Hund aufsässig ist, dann wirf
ihn auf den Rücken". Das ganze wird ja auch noch als "Alphawurf" bezeichnet. Und sowas gibt's eben im normalen Zusammenleben von freilebenden Wölfen nicht.

Zusätzliche Anmerkung noch von mir:
Das kann auch ein Wolf oder Hund gar nicht. Er kann den anderen höchsten auf die Seite werfen. Aber nicht auf den Rücken. Das könnten wir ohne Hände ja auch nicht. icon_wink.gif



Charly:
Das Widerspricht sich. Denn jeder kann ja tun und lassen was er will. Wenn er nicht kooperativ ist, ist er es eben nicht.

Antwort:
Ganz genau. Aber jeder will überleben, jeder ist auf seinen Vorteil aus, jeder will satt werden, jeder will seine Gene weiter geben etc.
Das ist doch Natur pur icon_wink.gif Und damit das funktioniert, kooperiert man eben, wenn das Vorteile bringt. Dafür muss keiner sagen "tu dies, tu das".




Charly:
Das macht alles keinen Sinn und ist unlogisch. Und eigentlich macht die Natur so unlogische und sinnlose Dinge nicht (außer vielleicht, als sie den Menschen schuf).

Ich finde das alles "aus Sicht der Natur" ausgesprochen logisch. Wie du selber schon in deinen Anmerkungen am Anfang der Mail gesagt hast, wäre es doch ausgesprochen unlogisch anzunehmen, es bedürfe komplizierter Rangordnungsstrukturen, ständiger Disziplinierungs- und Gehorsamsmaßnahmen, um das Rudel funktionsfähig zu bekommen. Die Tiere würden doch dadurch viel zu viel Energie rudelintern verschwenden und könnten sich schlecht in der Umwelt behaupten.



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Soviel zur SPAß-MIT-DEM-HUND-Antwort.




Ich habe gestern an einem "Calming Signals"-Seminar (Beschwichtigungssignale) teilgenommen. Es stärkte mich in meiner Annahme, daß man einen Hund verstehen muß, um mit ihm zu kommunizieren. Und um ihn zu verstehen, muß man sich über die Bedeutung seiner
ausgesendeten Signale im Klaren sein. Erst dadurch wird man in die Lage versetzt, mit dem Hund in angemessener Weise zu kommunizieren.

Ist man sich über die Bedeutung der gesendeten Signale im Klaren, so ist man in der Lage, entsprechend darauf zu reagieren.
Er kann sich auf mich verlassen, denn wenn ich immer in der gleichen Situation ihm mit der gleichen Reaktion entgegne kann er gewiß sein, daß ich ihn verstanden habe.
Habe ich ihn verstanden, kann ich ihm mit entsprechenden Signalen, die er versteht, antworten.
Kann man also einen Hund "lesen", so kann man ihm eine klare Linie bieten. Und nichts benötigen Hunde mehr als eine klare Linie.

Somit lassen sich viele selbst geschaffene Probleme von vornherein vermeiden, bzw. entstandene Probleme lösen.

Aufgrund dieser Tatsache ist es durchaus denkbar, daß das strikte Einhalten der Rangfolge und das dominate Verhalten zwischen Hunden untereinander und zwischen Mensch und Hund tatsächlich keinen so hohen Stellenwert besitzen wie bisher angenommen.

Denn diese "Verfahrensweise" beruht auf alten und sehr fragwürdigen Verhaltensweisen im Zusammenleben zwischen Mensch und Hund. Früher machte man sich nicht die Mühe, einen Hund zu verstehen. Er mußte gehorchen! Und dies erreichte man natürlich am Besten dadurch, indem man ihn dominierte. Man wollte ihn lediglich beherrschen! Ein solches System läßt natürlich eine solch revolutionäre Erziehungsmethode und "Zusammenleb-Theorie" nicht zu.

Einen Hund zu verstehen, mit ihm evtl. über die gleichen Signale zu kommunizieren, und somit eine fundierte Basis für eine funktionierende Lebensgemeinschaft zu schaffen?

Undenkbar!

Ich kann für mich sagen, ich befinde mich gerade in einem Umdenkungsprozeß. Und was ich bisher hierüber gehört und gelesen habe, hat für mich schon eine gewisse Logik.


Viele Grüße
Charly


» User #1365 schrieb:

Hallo Charly,
erst einmal vielen Dank für Deine Ausführungen. Es freut mich zu erfahren, dass auch bei anderen ein Umdenken stattfindet.
Ich interessiere mich seit dem ich das Buch „ Calming Signals“ von Rugaas und Turid gelesen habe ebenfalls für die Beschwichtigungssignale beim Hund. Ein Seminar zu diesem Thema würde mich sehr interessieren. Kannst Du mir mal sagen bei wem es war und wie es Dir gefallen hat, bzw ob Du so ein Seminar weiter empfehlen kannst.

Gruß Adrian


» User #107 schrieb:

MFG hat folgendes geschrieben::
Hallo Charly,
erst einmal vielen Dank für Deine Ausführungen. Es freut mich zu erfahren, dass auch bei anderen ein Umdenken stattfindet.
Ich interessiere mich seit dem ich das Buch „ Calming Signals“ von Rugaas und Turid gelesen habe ebenfalls für die Beschwichtigungssignale beim Hund. Ein Seminar zu diesem Thema würde mich sehr interessieren. Kannst Du mir mal sagen bei wem es war und wie es Dir gefallen hat, bzw ob Du so ein Seminar weiter empfehlen kannst.

Gruß Adrian



Hi Adrian,

dieses Seminar basierte auf einen Videofilm über Calming signals von Turid Rugaas. Das Seminar gehalten hat eine Ausbilderin, die hier bei uns im Kreis für Ihren Sachverstand bekannt ist und einen guten Ruf genießt.

Für mich ist das Thema grundsätzlich interessant und es war sehr lehrreich. Auch wenn es nicht von einer so kompetenten Persönlichkeit wie bspw. Günter Bloch gehalten wurde.

Muß vielleicht aber auch nicht immer sein.

Viele Grüße
Charly


» User #1840 schrieb:

Mal eine Frage kann ein Lebewesen ohne Dominanz überhaupt funktionieren bzw überleben. Grade bei Wildhunden gibt es immer ein Alphatier. Achja mal ne Anmerkung. Ich habe mal ne BBC Reportage gesehen da haben sie ein DSH Rudel ohne Menschenkontakt afgezogen und es dann mit dem Wolfsverhalten verglichen. Und es kam raus das die Verhaltensweisen recht unterschiedlich sind. Also kann man wohl nicht direkt vom Wolf auf den Hund schliessen. Was die Seriösität der Quelle angeht da kann ich leider nicht viel zu sagen. Desweiteren hatten sie wohl rausgefunden das englische bullterrier unter allen getesteten rassen die meisten laute haben also die haben mehr vierschiedene laute als nen dsh oder so. aber naja man weiß immer nicht sorecht was man glauben kann und was nicht. schon den Hund mit dem wolf zu vergleichen finde ich schon skuril weil es gibt wölfe in asien und zb in kanada und die sind zwar beides wölfe aber auch nciht 100% gleich vom verhalten her deswegen müsste man schon differenzieren ob man kanadische oder von mir aus europäische nimmt usw oder?


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